G.E.N.O.Z.I.D.



In diesem Jahr, in diesem Monat, liegt die Deportation und Vernichtung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern während des ersten Weltkriegs genau hundert Jahre zurück. Papst Franziskus äußerte sich dazu am vergangenen Sonntag in einer Gedenkmesse im Vatikan mit den Worten: „Die Menschheit hat im vergangenen Jahrhundert drei große, unerhörte Tragödien erlebt: die erste, die allgemein als "der erste Genozid des 20. Jahrhunderts" angesehen wird; diese hat euer armenisches Volk getroffen". Der erste Genozid: Mit dieser Wortwahl erregte die Rede große Aufmerksamkeit. Ist der Massenmord an Armeniern zwar in unzähligen Quellen als Genozid, oder Völkermord betitelt, widerspricht die Türkei dieser Bezeichnung dennoch beharrlich. Die Armenier seien den Wirren des ersten Weltkriegs zum Opfer gefallen, nicht aber einer systematischen und zielgerichteten Vernichtung. Auch die Deutschen waren an diesem Verbrechen beteiligt: Das Deutsche Kaiserreich war mit dem Osmanischen Reich verbündet und machte sich durch sein Nicht-Verhindern, oder gar Organisieren der Deportationen mitschuldig. 1947 entwickelte Friedensforscher Raphael Lemkin einen Gesetzesentwurf zur Bestrafung von Völkermord für die UNO. Damit vertraut, verabschiedete der Deutsche Bundestag vor zehn Jahren eine Resolution über die Mithilfe an einer Armenisch/Türkischen Versöhnung. Doch dieser Versöhnung liegen augenscheinlich noch immer große Steine im Weg, einer davon dieses Wort: Genozid. Ein Jahrhundert trennt uns nun vom Zeitpunkt des Verbrechens, doch die Gegenwart lässt kein Vergessen zu. Es ist an der Zeit, Dinge beim Namen zu nennen.

Am kommenden Sonntag, den 19. April 2015, findet in der WERKSTATT des Theater Konstanz eine Lesung von Jürgen Gottschlich mit zum Thema: Beihilfe zum Völkermord - Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier statt. Herzliche Einladung dazu!

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