Kritiker Symposium - Konstanzer Erklärung



Ist das Kritik, oder kann das weg?" - das hat ein Symposium von Kritikerinnen und Kritikern, Theatermacherinnen und -machern gefragt, das vom Theater Konstanz unter Mitarbeit des Theater- und Musikkritikers Michael Laages Anfang Juni ausgerichtet worden ist. Über die akuten Gefährdungen eines Berufsstandes wurde diskutiert, aber auch über die Erwartungen, die das Theater selber und dessen kreative Köpfe sowie das Publikum jenen Berichterstatterinnen und Berichterstattern entgegenbringen, die die Aufführungen und Inszenierungen sowie die Strukturen des Theaters an sich beobachten: als „professionelle Zuschauer".

Aus dem Symposium ging die „Konstanzer Erklärung" hervor:


Konstanzer Erklärung

„Ist das Kritik, oder kann das weg?" - das hat ein Symposium von Kritikerinnen und Kritikern, Theatermacherinnen und -machern gefragt, das vom Theater Konstanz unter Mitarbeit des Theater- und Musik-Kritikers Michael Laages Anfang Juni ausgerichtet worden ist. Über die akuten Gefährdungen eines Berufsstandes wurde diskutiert, aber auch über die Erwartungen, die das Theater selber und dessen kreative Köpfe sowie das Publikum jenen Berichterstatterinnen und Berichterstattern entgegenbringen, die die Aufführungen und Inszenierungen sowie die Strukturen des Theaters an sich beobachten: als „professionelle Zuschauer".

Dies waren die Themen:

-   ... wie der Raum für kritische Berichterstattung auf allen Ebenen medialer Vermittlung schrumpft, woraus ein immer massiverer Rechtfertigungsdruck resultiert; sei es in gedruckten wie in elektronischen Medien.

-   ... wie das Internet zwar partiell zu einer Erweiterung des Resonanzraums für Kritik sorgen mag - zugleich aber professionelle Kriterien abschleift und im Grunde eher den ökonomischen Druck speziell für frei arbeitende Kolleginnen und Kollegen verschärft.

-   ... wie Kritikerinnen und Kritiker sich womöglich immer zielstrebiger von der einzelnen Aufführung weg bewegen, auch von der Kenntnis und Wahrnehmung des Handwerks der Theaterschaffenden - und wie sie stattdessen immer häufiger zu den ebenso wichtigen Debatten über Strukturen und Macht hinüberdriften; unter Missachtung der Arbeit im und am Theater selbst.

-   ... wie die Kritik als eigenständiges Medium kritisch und politisch wirken sowie dem Theater diskursiven Beistand und Widerstand bieten könnte.

-   ... wie sich eigentlich das Verhältnis zwischen Theater, Publikum und Kritik konkret gestaltet, wie alle einander gegenseitig beeinflussen.

 

Kritikerinnen und Kritiker wollen

-   ... sich kontinuierlicher als bisher austauschen über die Regeln der eigenen Profession, über das Ethos des Berufs im Umgang mit Künstlerinnen und Künstlern sowie generell den handwerklichen Künsten des Theaters wie über die Markt- und Macht-Bedingungen, denen das eigene klassische Handwerk unterliegt.

-   ... sich intensiver als bisher darüber verständigen, welche Rolle die Kritik innerhalb der engagiert geführten Diskussion um die deutschsprachige Theaterlandschaft als „Weltkulturerbe" weiterhin spielen kann und will - auf allen medialen Ebenen.

-   ... sich im Rahmen der Neu-Positionierung und Neu-Orientierung der eigenen Arbeit im kulturellen Feld des Theaters dafür engagieren, wie etwa die Gründung eines „Netzwerks Kritik" den vielversprechenden Modell-Institutionen von „Ensemble-Netzwerk" und „Regie-Netzwerk" folgen könnte.

-   ... sich im Gespräch mit verschiedensten Partnern dafür einsetzen, dass jungen Kritikerinnen und Kritikern etwa mit Geldern einer zu gründenden Stiftung die Option eröffnet werden, auf Reisen hin und her zwischen den Bühnen und Theaterstädten die eigenen Fertigkeiten zu verfeinern: durch die Möglichkeit des Vergleichs.

 

Die Diskussionen um Selbstwert und Außenwirkung der Kritik im Theater haben in Konstanz begonnen. Sie werden fortgeführt.

 

Konstanz, im Juni 2018   

Michael Laages (Kritiker Deutschlandfunk Kultur sowie NDR), Wolfgang Behrens (ehem. Kritiker nachtkritik, nun Dramaturg Staatstheater Wiesbaden), Johannes Bruggaier (Kulturredakteur Südkurier), Fritz Fenne (Schauspieler), Mizgin Bilmen (Regisseurin), Daniel Kunze (Regisseur/regie netzwerk), Urs Humpenöder (Doktorand, Medienwissenschaft, Universität Konstanz), Ludwig von Otting (ensemble netzwerk und ehem. Kaufmännischer Geschäftsführer Thalia Theater Hamburg), Akin Sipal (Hausautor Theater Bremen), Gerd Zahner (Autor und ehem. Kritiker nachtkritik), Kornelius Friz (Kritiker FAZ/TAZ/nachtkritik), Jakob Hayner (Kritiker Theater der Zeit), Mark Zurmühle (Schauspieldirektor Theater Konstanz), Martina Holstein (Lehrerin Friedrichshafen), Detlef Dürr (Theaterfreunde Konstanz), Yannik Böhmer (MA-Regieabsolvent ZHdK), Daniel Morgenroth (Referent des Intendanten, Theater Konstanz), Laura Ellersdorfer (Chefdramaturgin Theater Konstanz), Miriam Fehlker (Dramaturgin Theater Konstanz), Dani Behnke (Pressesprecherin Theater Konstanz), Eivind Haugland (Dramaturg Theater Konstanz).