30.11.2011, Südkurier

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Mit einer Wolke auf die ganz große Reise


Magdalene Schaefer beweist im neuen Kinderstück auf der Werkstattbühne, dass Theater alle Sinne ansprechen kann

Wer hat noch nie verträumt auf einer Wiese gelegen und die Wolken beobachtet. Mal gleichen sie Schäfchen oder Türmen von Zuckerwatte, erinnern an Badeschaum oder schlängeln sich im Himmelsblau entlang. Die Puppenspielerin Magdalene Schaefer erweckt diese Bilder im neuen Kindertheaterstück „Die Reise einer Wolke“ mühelos zum Leben. Ein riesiges Moskitonetz wickelt, dreht und knautscht sie zu den verschiedensten Wolkenformationen. Ihr weißer Reifrock plustert sich auf und durch den wilden Haarschopf streicht scheinbar der Wind. Als flauschige Haufenwolke über dem Bodensee beginnt Magdalene Schaefer ihre Reise, auf der sie ein kleines Puppenkind begleitet und dem sie die Wunder der Welt zeigen und erklären wird: Ein Bauernhof, die Wüste und der Dschungel, das ewige Eis und das tiefe Meer sind die Stationen, die das eigenwillige Gespann besucht. Und da aus einer himmlischen Perspektive erzählt wird, erscheint Vertrautes in neuem Licht.

Es ist eine Reise, die alle Sinne anspricht: So wird der Ausflug auf den Bauernhof zu einem wahren Geschmacks- und Geruchserlebnis. Magdalene Schaefer fächert aus einem Glasbecher den Besuchern Lavendelduft zu, der an frisch gewaschene Wäsche erinnert. Nach Ankunft am Nordpol zieht die Puppenspielerin aus ihrem Koffer der Erinnerung richtiges Eis hervor, im Dschungel verwandelt sich das Publikum, vom Wolkenkind dirigiert, in einen Chor der Tiere. „Dass das Schmecken, Fühlen, Riechen, Hören und Schauen gleichermaßen angesprochen werden, macht den besonderen Reiz des Stückes aus“, sagt Regisseur Matthias Ludwig.
Er hat gemeinsam mit Magdalene Schaefer die Vorlage von Roberto Frabetti für die Werkstattbühne angepasst. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie man eine Wüste oder den Dschungel darstellen kann, was das Charakteristische ist.“

Das Stück lebt von den liebevollen Details, der poetischen Sprache, die die Fantasie anregt. Aber auch vom Einbinden des Publikums. Groß und Klein sitzen wie in einer Manege im Bühnenbild. Ungewohnt, aber aufregend für Magdalene Schaefer, die vergangenes Jahr bereits in den Kinderstücken „Tülliknüllifülli“ und „Nur ein Tag“ auftrat. Ihr erstes Solostück begeistert sie: „Die Kinder reagieren sehr darauf und erzählen viel“. Kein Wunder. Denn so eine Reise macht man nicht alle Tage.