16.10.2011 | Werkstatt | ca. 90 Minuten ohne Pause

Orlando


von Virginia Woolf
REGIE: Pia Donkel


Liebstes,

ich fühle mit Sicherheit, dass ich wieder verrückt werde. Ich fühle, dass wir nicht durch eine weitere dieser schrecklichen Zeiten gehen können. Und dieses Mal werde ich nicht gesund werden. Ich beginne, Stimmen zu hören, und ich kann mich nicht konzentrieren. Du hast mir das größtmögliche Glück geschenkt. Du bist mir in jeder Weise all das gewesen, was jemand sein kann. Ich glaube nicht, dass andere hätten glücklicher sein können. Ich kann nicht mehr kämpfen. Ich weiß, dass ich Dein Leben verschwende. Du siehst, nicht einmal das hier kann ich ordentlich schreiben. Was ich sagen will, ist: Ich verdanke Dir alles Glück in meinem Leben. Du bist vollkommen geduldig gewesen mit mir und unglaublich gut zu mir. Ich möchte das sagen - jeder weiß es. Wenn mich jemand hätte retten können, wärst Du es gewesen. Mich hat alles verlassen außer der Gewissheit Deiner Güte. Ich kann Dein Leben nicht länger verschwenden.

Ich glaube nicht, dass andere hätten glücklicher sein können als wir es gewesen sind.


Am Anfang ist Orlando 16, am Ende knapp 350 Jahre alt. Am Anfang ist Orlando ein Jüngling, „verliebt in den Tod", am Ende eine Frau, „älter und kälter" geworden und noch immer nicht erlöst. Beginnend im Jahre 1500 und endend in der untrüglichen Gegenwart erforscht Virginia Woolf die farbige, chaotische Welt eines weiblichen Nomaden, der durch die Geschlechter wie durch die Jahrhunderte reist.