18.01.2013 | Stadttheater | 2 Std. 20 Min. einschl. Pause

Der Besuch der alten Dame


Friedrich Dürrenmatt


EINE TRAGISCHE KOMÖDIE

Die Stadt Güllen ist finanziell am Ende. Aus der einst blühenden Kultur- und Industriestadt mit der Platz-an-der-Sonne-Hütte, den Wagner-Werken und Bockelmann ist eine glanzlose Einöde geworden. Arbeitslosigkeit und Armut bestimmen den Alltag. Doch die Rettung scheint in greifbarer Nähe: Claire Zachanassian, eine der reichsten Frauen der Welt, kehrt zu Besuch in ihre Heimatstadt Güllen zurück. 45 Jahre zuvor hatte sie diese als armes Mädchen namens Kläri Wäscher verlassen, nachdem ihr Geliebter Alfred Ill das gemeinsam gezeugte Kind und damit sie verleugnet hatte. Alle erhoffen sich eine großzügige finanzielle Zuwendung der wohltätigen Milliardärin, und tatsächlich bietet sie der Stadt Geld. Viel Geld. Doch die alte Dame stellt eine unmoralische Bedingung: »Ich gebe euch eine Milliarde und kaufe mir dafür die Gerechtigkeit. Eine Milliarde für Güllen, wenn jemand Alfred Ill tötet.« Die Güllener weisen ihr Angebot zunächst empört und im Namen der Menschlichkeit zurück, doch schon bald werden die ersten großen Anschaffungen getätigt, die Bürger verschulden sich und drängen Alfred Ill mehr und mehr in eine Sackgasse, aus der er nicht mehr entkommen kann. Friedrich Dürrenmatt gelang mit »Der Besuch der alten Dame« 1956 der große literarische Durchbruch. Er selbst schrieb: »Es ist eine Geschichte, die sich irgendwo in Mitteleuropa in einer kleinen Stadt ereignet, geschrieben von einem, der sich von diesen Leuten durchaus nicht distanziert und der nicht so sicher ist, ob er anders handeln würde«. Sein zum Klassiker gewordenes Stück über die Macht des Geldes ist heute noch immer erschreckend, entlarvend und – in Zeiten wirtschaftlicher und kultureller Krisen – höchst aktuell: »Anständig ist nur, wer zahlt, und ich zahle«, sagt Claire Zachanassian.

DER BESUCH DER ALTEN DAME


© Video: Max Fürth / Foto: Ilja Mess


© Ilja Mess