19.01.2013 | Werkstatt | 1 Std. 30 Min. ohne Pause

Die toten Tiere


Eva Rottmann
Uraufführung


Helen hat einen fremden jungen Mann auf der Straße aufgesammelt und kurzerhand mit zu sich nach Hause genommen. Er spricht kein Wort, hat keine Papiere und scheint insgesamt wenig Notiz von seiner Umgebung zu nehmen. Als Helens Exmann Veit scheinbar zufällig vorbeikommt, nehmen die Dinge eine ungeahnte Wendung. Denn von dem Fremden geht eine eigenartige Wirkung aus. Sein Schweigen treibt Helen und Veit zu einer letzten großen Abrechnung: mit sich selbst, mit ihrer gescheiterten Beziehung und schließlich mit dem papierlosen Fremden.

Die junge Autorin Eva Rottmann entwirft in »Die toten Tiere« nicht nur den Schauplatz eines mit Verve geführten, hochintelligenten und oftmals rasend komischen Post-Ehekriegs. Sie erzählt auch von bröckelnden Illusionen, Einsamkeit und der Sehnsucht nach einer Sinnhaftigkeit im Leben. Dabei lotet sie mit ihren beiden Hauptfiguren Helen und Veit den gesamten Kosmos an Macht- und Ohnmachtsgefühlen, an Liebessehnsucht und Todesangst, an Traumhoffnungen und Realitätsverweigerungen aus, deren Menschen fähig sind. Und nicht zuletzt ist »Die toten Tiere« eine so radikale wie humorvolle Versuchsanordnung über die Art und Weise, wie sich Rassismen klammheimlich in unseren Alltag hineinorganisieren, und wie hinter dem allgegenwärtigen Gutmenschentum allzu oft die Xenophobie hervorlugt .

Eva Rottmann wurde 1983 in Würzburg geboren und gehört derzeit zu den spannendsten Nachwuchsautorinnen im deutschsprachigen Raum. Ihre Stücke wurden unter anderem beim Stück Labor Basel und beim Heidelberger Stückemarkt ausgezeichnet. Außerdem erhielt sie bereits zweimal den Deutsch-Niederländischen Jugenddramatikerpreis »Kaas und Kappes« und 2012 auch den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg. In der Folge entstanden Auftragswerke für das Theater Baden-Baden und das Schauspielhaus Zürich.

Ein erster Entwurf zu »Die toten Tiere« wurde bereits im Frühjahr 2011 - damals noch unter dem Titel »Gespräche aus der offenen Wunde« - beim gemeinsamen Autorenwettbewerb der Theater St.Gallen und Konstanz präsentiert. Obwohl eine andere Autorin den Hauptpreis gewann, hat der Beitrag von Eva Rottmann derart überzeugt, dass das Konstanzer Theater auch sie bat, ihren Text zu Ende zu schreiben.

Oliver Vorwerk, der den Konstanzern 2010 eine fein gearbeitete, hochkonzentrierte und heftig umjubelte »Peer Gynt«-Inszenierung schenkte, wird nun die Uraufführung dieses originellen, scharfzüngigen Schauspielerdramas auf der Werkstattbühne in Szene setzen.

In den beiden Hauptrollen sind Katrin Huke und Thomas Fritz Jung zu Höchstleistungen gefordert. Komplettiert wird das kleine aber feine Schauspielensemble durch Ramsès Alfa, der in Konstanz zuletzt in »Ein Schritt voraus« zu sehen war.

 

 

DIE TOTEN TIERE


© Max Fürth
AUSSTATTUNG / BÜHNE: Cornelia BrücknerDRAMATURGIE: Miriam ReimersMIT: Katrin Huke, Thomas Fritz Jung, Ramsès AlfaMUSIK: Jan-S. Beyer, Jörg Wockenfuß


© Bjørn Jansen