16.03.2013

Herztier


Herta Müller
Uraufführung


IN EINER DRAMATISIERUNG VON MARIO PORTMANN

Rumänien zur Zeit des Ceausescu-Regimes. Eine Gruppe junger Menschen trifft sich regelmäßig zum heimlichen Lesen und Schreiben von Gedichten. Ununterbrochen von der Geheimpolizei beobachtet, können sie nur insgeheim deutsche Bücher lesen, die für sie ein hoffnungsvolles Gegenbild zur Armut Rumäniens zeichnen. Dass sie selbst Gedichte verfassen, steigert das Misstrauen der Spitzel. Der Alltag wird vom Gefühl permanenter Überwachung bestimmt; jederzeit ist mit Durchsuchung oder plötzlicher Verhaftung zu rechnen. Freundschaften zu schließen, bedeutet unter den Verhältnissen einer Diktatur, das Risiko des Verrats einzugehen. Im Zwiespalt zwischen inniger Verbundenheit und dem Drang nach Ausbruch aus diesem brutalen System begibt sich die Protagonistin in Richtung Grenzgebiet und erhoffter Freiheit.

Die Erzählung zeichnet ein unvergessliches Bild eines totalitären, menschenfeindlichen Staates und der elementaren Gefühle seiner Bewohner zwischen allgegenwärtiger Angst und rauschhafter Liebe – einer Gesellschaft, die durch Unterdrückung und materielles Elend an ihr Ende kommt. Was ist Heimat, wenn sie sich gegen die eigenen Bürger stellt?

»Herztier« ist der zweite Roman der Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller, die selbst 1987 Rumänien verließ. Wie Herta Müller ist die Ich-Erzählerin eine junge Angehörige der deutschen Minderheit der Banater Schwaben.