19.04.2013 | Stadttheater | ca. 2 Std. 30 Min. einschließlich Pause

Das brennende Dorf


Rainer Werner Fassbinder nach Lope de Vega


Spanien 1476. Gewalt und Willkür herrschen in dem kleinen Dorf Fuente Ovejuna. Der Commandor führt sein wildes, zügelloses Leben auf Kosten der Bevölkerung und treibt mit einer maßlosen Steuerpolitik das Dorf in den Ruin. Um die Bewohner zum Stillhalten zu bewegen, ist ihm jedes Mittel recht. Die Männer werden in blutigen, sinnlosen Kriegen verheizt, die Frauen nach Lust und Laune geschändet. Bis sich eines Tages das Volk gegen den Tyrannen auflehnt und zur Selbstjustiz greift ...

Rainer Werner Fassbinders Stück »Das brennende Dorf« geht auf Lope de Vegas »Fuente Ovejuna« zurück, das als das erste Stück der Theatergeschichte gilt, in dem das Volk als Held agiert. Fassbinder reagierte mit seiner Bearbeitung 1970 unter anderem auf die Greueltaten der US -Amerikaner im Vietnamkrieg und verwandelte das im spanischen Mittelalter angesiedelte Barock-Drama in eine schrille, komische, gewaltige Groteske. Vor allem den Schluss, bei Lope de Vega ein Hohelied auf Gottesgnadentum, Herrschermilde und Obrigkeitsdemut, hat Fassbinder geändert. »Herrschaft«, schreibt er im Programmheft zur Uraufführung, »hat etwas mit Kannibalismus zu tun, und Brutalität erzeugt irgendwann eine Gegenbrutalität, also ist es doch ganz klar, dass die Unterdrückten am Ende zu Menschenfressern werden.«

Regie führt Andrej Woron, der in Konstanz zuletzt mit seinen bildgewaltigen Inszenierungen von »Woyzeck« und »Das Herz der Finsternis« überzeugte.

Zu folgenden Vorstellungen findet eine Einführung statt:
am Samstag, 4. Mai um 19.30 Uhr,
am Dienstag, 14. Mai um 19.10 Uhr,
am Donnerstag, 16. Mai um 19. 10 Uhr,
am Donnerstag, 23. Mai um 19.30 Uhr.

Zu der Vorstellung am 23. Mai findet ausserdem ein Nachgespräch statt.

 

MUSIKALISCHE LEITUNG: Stefan LeiboldAUSSTATTUNG / BÜHNE: Andrej WoronCHOREOGRAFIE: Lars ScheibnerDRAMATURGIE: Miriam ReimersMIT: Sophie Köster, Carolin Maiwald, Kristin Muthwill, Alissa Snagowski, Ingo Biermann, Janusz Cichocki, Josef Dorn, Jovin Ehrt, Andreas Haase, Odo Jergitsch, Thomas Fritz Jung, Leonidis Kosmidis, Fabiano Larusso, Johannes Merz, Benjamin Stark, Bernd Oßwald, Lukas Wiehler, Yannick Zürcher MUSIK: Stefan Leibold, Frank Denzinger, Knalle Wall, Annegret Enderle


© Ilja Mess