07.06.2013 | Stadttheater | ca. 2 Std. einschl. einer Pause

Der Jude von Konstanz


Wilhelm von Scholz


Der Vortrag von Aleida Assmann mit dem Titel „Die Rückkehr des Juden von Konstanz auf die Bühne", den sie am 23. Juni 2013 in der Reihe Pro.log der Konstanzer Theaterfreunde im Foyer des Stadttheaters gehalten hat, ist gegen einen Unkostenbeitrag von 1,- EUR ab an der Theaterkasse erhältlich.

TRAUERSPIEL IN FÜNF AUFZÜGEN

In seinem Stück rekonstruiert Wilhelm von Scholz das mittelalterliche Konstanz und setzt den Arzt Nasson ins Zentrum des Geschehens. Nasson ist ein zum katholischen Glauben konvertierter Jude – aus religiöser Überzeugung, nicht aus Opportunismus, wie Nasson betont. Er ist ein wohlhabender Bürger und lebt in einem vornehmen Haus der Konstanzer Altstadt. Anders als die jüdischen Bürger, die jenseits des Rheins in ihrem Viertel leben. Zwischen den Glaubensgemeinschaften schwelen Konflikte, die eskalieren und Nasson zwischen den Fronten zerreiben, denn für beide religiösen Gruppen ist er ein Außenseiter: Die Christen sehen ihn noch immer als Juden, und die Juden betrachten ihn als Konvertiten. Dieser Konflikt führt Nasson in die Tragödie, denn er sucht eine Heimat und findet sie nirgends.

Wilhelm von Scholz ist zweifellos eine in Konstanz umstrittene Person. Einerseits ist er der vielleicht einzige Konstanzer Dichter von überregionaler Bedeutung, andererseits suchte er die Nähe zu den Nationalsozialisten im Dritten Reich, verehrte Hitler und leistete eine Loyalitätserklärung auf ihn. Als 2007 öffentlich diskutiert wurde, ob sein Grab eingeebnet werden solle, brach in Konstanz ein Streit darüber aus, wie mit von Scholz umgegangen werden soll. Lautstark zu Wort gemeldet hat sich in diesem Zusammenhang der berühmte Schriftsteller Rolf Hochhuth, der betonte, das aus dem Jahr 1905 stammende Drama »Der Jude von Konstanz« sei von den Nazis verboten worden und habe sich gegen den Antisemitismus gerichtet. Eine Auseinandersetzung mit dem Autor und seinem Werk scheint im Rahmen des Spielzeitmottos notwendig.

Ein Interview mit Stefan Otteni zu der Inszenierung für »Kultur am Bodensee« finden Sie hier.


© Ilja Mess