01.06.2013

JUNG, BÖSE UND WEGGESPERRT!




Jugendkriminalität – fördern Strafen kriminelle Karrieren?

»Wenn ein Jugendlicher oder auch ein Erwachsener ein Verbrechen begeht und wir lassen ihn laufen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder ein Verbrechen begeht, geringer, als wenn wir ihn bestrafen. Ist das Gesagte richtig..., so ist damit der völlige Zusammenbruch, der Bankrott unserer ganzen heutigen Strafrechtspflege in schlagendster Weise dargetan. « Franz von Liszt, 1900.

Was treibt Jugendliche zu kriminellen Grenzüberschreitungen? Und sind Grenzüberschreitungen nicht was normales? Greifen die Sanktionierungsmechanismen des Staates zu früh, zu hart, zu unsensibel ein?

Wann soll man strafen, wann nicht? - eine Frage, die noch immer so aktuell ist, wie zu Zeiten Friedrich Schwans, des Sonnenwirts. Das statistisch kriminellste Alter ist 14. Laut Bild sind 3 von 5 Jugendliche kriminell. Welchen Weg gehen Jugendliche, die zu Intensivtätern werden? Wer oder was versagt an dieser Stelle?

Es nehmen teil:

Gerhard Spiess, Dipl. Soziologe und Kriminologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kriminologie, Strafrecht, Strafprozess- und Wirtschaftsstrafrecht der Universität Konstanz.
Er forscht u.a. im Rahmen des "Konstanzer Inventars Kriminalitätsentwicklung" (KIK) und des "Konstanzer Inventars Sanktionsforschung" (KIS).

Prof. Dr. Michael Günter, Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter am UniversitätsklinikumTübingen.
Autor des Buches "Gewalt entsteht im Kopf". Die strafrechtliche Begutachtung delinquenter Jugendlicher stellt einen langjährigen Forschungsschwerpunkt seiner Abteilung dar.

Barbara Reifler, lic. jur., leitende Jugendanwältin der Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau. Die Staatsanwaltschaft, Abteilung Jugendanwaltschaft, ist zuständig für sämtliche Strafuntersuchungen bei Delikten, die von Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren begangen wurden, welche ihren Wohnsitz im Kanton Thurgau haben. Barbara Reiflers Abteilung arbeitet in einem interdisziplinär zusammengesetzten Team von Jugendanwältinnen und Jugendanwälten, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sowie Sachbearbeiterinnen.

Burkhard Driest, Autor von Romanen, Theaterstücken und Drehbüchern, Schauspieler, Regisseur und Produzent. Er überfiel 1965, drei Wochen vor seinem Jura-Examen, eine Sparkasse bei Hannover. Nach Verbüssung seiner mehrjährigen Haftstrafe machte er sich einen Namen als Autor und Schauspieler, verfasste Drehbücher fürs Kino und Fernsehen (z.B. mit Rainer Werner Fasssbinder) und Theaterstücke. Im Roman "Die Verrohung des Franz Blum" verarbeitete er seine Erfahrungen in der Strafanstalt und spielte in der gleichnamigen Verfilmung von 1974 durch Reinhard Hauff auch gleich eine Hauptrolle. Um einen rebellischen Jugendlichen ging es im Musical "Andi", zu welchem er das Libretto beisteuerte. Peter Zadek brachte es 1985 in Hamburg zur skandalumwitterten Uraufführung: Die Geschichte von Andi, dem Sechzehnjährigen aus Hamburg-Barmbek, der gern ein großer Rocker wäre, milieugeschädigt, durch Jugendknast abgestumpft, unglücklich, einsam, verletzt: Ein Kleinbürger in Panik schießt den kleinen Krawallmacher tot.

Moderieren wird die Runde Ute Seifried. Die studierte Verwaltungswirtin (FH) leitet seit 2011 das Sozial- und Jugendamt der Stadt Konstanz.

 

Eintritt frei!

MIT: Burkard Driest (Autor und Maler); Gerhard Spiess (Kriminologe und Soziologe, Universität Konstanz);Prof. Michael Günter (Psychiatrie und Psychotherapie Universitätklinikum Tübingen); Barbara Reifler (leitende Jugendanwältin der Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau); Ute Seifried (Leiterin Jugend- und Sozialamt, Moderation)