08.07.2013 | Überlingen

Knarrende Schuhe - Glauser Quintett


Friedrich Glauser


Ein literarisches Konzert nach einer Erzählung von Friedrich Glauser

Klavier, Gitarre: Daniel R. Schneider; Sprache, Kontrabass: Markus Keller; Klarinetten, Maultrommel: Martin Schumacher; Endregie: Benno Muheim

Friedrich Glauser (1896-1938) verbindet man vor allem mit seinem Wachtmeister Studer. Das Glauser Quintett dekonstruiert das gängige Klischee des Stumpen rauchenden «Gemütsmoren». Mit ihrer eigenwilligen und überzeugenden Umsetzung von «Knarrende Schuhe» zeigen die drei Musiker, dass Glauser weit mehr zu bieten hat. Glausers Erzählung entwickelt sich weg vom Krimi, hin zu einem Charakterbild des Wachtmeisters, der mit hohem Fieber im Bett liegt und sich in eine Wahnwelt verirrt.

«Denn stets - und zwar immer zur selben Stunde - war ein Schritt zu hören. Bald stieg er die Treppe hinan, bald ging er hinunter. Und da man als Kranker im Bett lag und nichts sehen konnte, grübelte man darüber nach, wer dieser Mann sein könne, der stets hinaufstieg und später hinabging.
Ein Mann ... Ohne Zweifel ein Mann ... Ein Frauenschritt wäre leichter gewesen. Ein Mann also ... Wie aber sah der Mann aus? ...»

Die von Daniel R. Schneider komponierte Musik umfliesst den von Markus Keller verdichteten Text und sorgt so für viel Atmosphäre zwischen den Zeilen. Der Umstand, dass der Schauspieler Markus Keller ebenfalls Musiker ist, ermöglicht, dass sich die Erzählebenen mit der Musik ineinander verweben und sie sich ablösen und überlagern. Der Schauspieler Markus Keller erzählt Studers Irrfahrt und die Musiker Daniel R. Schneider und Martin Schumacher (ergänzt durch Markus Keller) entwickeln dazu analog eine musikalische Sprache. Die beiden Stränge stehen in einem dialogischen Austausch, lösen sich ab, verschachteln und entfernen sich von einander. Es entsteht eine Erzählform, in der man sich gleichzeitig in einem Konzert wähnt...