31.01.2014 | Stadttheater | ca. 2 Std. 50 Min. einschl. Pause

Vor Sonnenuntergang


Gerhart Hauptmann


Die Familie traut ihren Augen kaum: Sommerparty, Jazzklänge, Bowle und mittendrin der siebzigjährige Vater, der im großen Stil Geburtstag feiert. Seit dem Tod seiner Frau hat Geheimrat Matthias Clausen zurückgezogen vom öffentlichen Leben ein Schattendasein geführt. »Er ist dem Dasein wiedergegeben«, stellt Tochter Bettine überrascht fest. Hat die junge Inken, die ausgelassen über die Tanzfläche wirbelt, etwas mit der plötzlichen Genesung des Vaters zu tun? Dem wiedererwachten Lebenswillen Clausens stehen seine Kinder argwöhnisch gegenüber. Sie fürchten um ihr Erbe und ihre bisher gesicherte Existenz. Durch Intrigen und Bestechung versuchen sie vergeblich die junge Frau aus der Gegend zu vertreiben. Beim gemeinsamen Frühstück kommt es zum Eklat, als Clausen Inken offiziell in die Familie einführt. Doch nun drohen Clausens Kinder ihrem Vater mit Entmündigung.

Hauptmann entfaltet in seinem 1932 uraufgeführten Drama ein groß angelegtes Familien- und Gesellschaftsbild. In Zeiten des demografischen Wandels gewinnt sein Familiendrama über Generationenkonflikte neue Aktualität. Kann es eine Liebe trotz eines hohen Altersunterschieds geben? Hat der Einzelne ein Recht seinen Lebensentwurf gegen die Interessen seiner Familie zu verwirklichen?

Nach zahlreichen Inszenierungen in Konstanz, zuletzt »Gegen die Wand« und »Die Rundköpfe und die Spitzköpfe«, beschäftigt sich Regisseur Martin Nimz nun mit einer Fragestellung, die auch heute, mit der zunehmenden Vereinsamung innerhalb unserer Gesellschaft, nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren hat.


© Ilja Mess