11.04.2014 | Stadttheater

Der gestiefelte Kater


nach Ludwig Tieck


Fassung von Thomas Spieckermann und Oliver Vorwerk

Nach dem Tod seines Vaters erbt Gottlieb nichts als den wertlosen Kater Hinz. Schnell stellt sich heraus, dass der Kater nicht nur der menschlichen Sprache mächtig, sondern auch sonst ein Glücksfall ist. Für ein Paar neue Stiefel verspricht er, den armen Gottlieb zu Ruhm und Reichtum zu führen - und am Ende sogar an die Spitze eines ganzen Königreichs.

Ludwig Tieck nutzt die Mär vom gestiefelten Kater als »Stück im Stück«, das ein Dichter samt Schauspieltruppe und Bühnenpersonal vor einem kritischen Theaterpublikum zur Aufführung bringen soll. Dabei ist das Geschehen auf der Bühne genauso wichtig, wie das, was sich im Publikum abspielt. Jede Szene wird von den Bürgern kommentiert; Debatten über den literarischen Wert des Gezeigten unterbrechen den Fortgang des Stücks; Schauspieler fallen aus ihren Rollen; Zuschauer verlassen empört den Saal. Schließlich kommt es zu Tumulten im ganzen Theater. Selbst der eilig herbeigeholte Glockenspieler aus Mozarts »Zauberflöte« vermag die tobende Masse nicht zu besänftigen. Ein glatter Misserfolg also, für den der Dichter am Schluss niemand anderen als das Publikum verantwortlich macht. Bis er von selbigem endgültig aus dem Theater gejagt wird.

Tieck als Entfesselungskünstler der Romantik stellt in seinem Stück nicht nur die Regeln der klassischen Theaterkunst, sondern auch alle gängigen Fragen nach Wahrheit und Fiktion auf den Kopf. In seinem Kindermärchen für Erwachsene vermischt er eine Vielzahl von Spiel- und Handlungsebenen, zitiert und parodiert Werke aller Gattungen und Epochen und lässt ganz nebenbei Menschen zu Tieren und Tiere zu Menschen werden.


© Ilja Mess