27.06.2014 | Freilichtbühne

Konstanz am Meer - Ein Himmelstheater


Theresia Walser und Karl-Heinz Ott
Uraufführung


Die Vorstellung am 04.08. muss leider entfallen

Wiederaufnahme im Rahmen der Konzilfestspiele Konstanz 2016

Konstanz 1414. Hintz und Kuntz stehen seit Stunden am Ufer des Bodensees und warten auf das Schiff des Königs das, längst überfällig, im Nebel des Sees nicht auftaucht. Und als der König mit seiner Frau schließlich Konstanz erreicht, müssen nicht nur die stürmischen Wogen der Ehe geglättet werden, sondern auch die zwischen den am Konzil teilnehmenden Ländern. Auch der Papst bleibt davon nicht ausgenommen - und außerdem gibt es da noch dieses brennende Problem mit Jan Hus!

Im warmen Wirtshaus macht sich währenddessen Martha Haefelin Hoffnung, vom Treiben des Konzils zu profitieren. Eine Schiffsflotte will sie aufbauen, die von Konstanz bis zum fernen Meer Handel treibt.

Konstanz am Meer war nach Der Glöckner von Notre-Dame die zweite große Produktion auf dem Münsterplatz, im Juni 2016 folgt Der Namen der Rose.

Unsere Zuschauertribüne ist nicht überdacht. Bitte bringen Sie angemessene Kleidung mit. Wir spielen bei fast jedem Wetter, kurzfristige wetterbedingte Absagen sind jedoch möglich.

Im Falle einer Vorstellungsabsage oder eines Abbruchs vor der Pause, können bereits gekaufte Karten am Veranstaltungstag an der Theaterkasse zurückgegeben werden.
Umbuchungen können leider ausschließlich während der regulären Kassenöffnungszeiten (Mo-Fr 10-19 Uhr und Sa 10-13 Uhr) vorgenommen werden.
Bitte haben Sie Verständnis, dass bei Vorstellungsabsage oder -abbruch die Anfragen an die Kasse ansteigen. Unsere MitarbeiterInnen werden Ihr Anliegen selbstverständlich schnellstmöglich bearbeiten.

 

 

 

Langeweile kommt bei dem im Untertitel „Himmelstheater“ genannten komödiantischen Lehrstück ohne Historismus nicht auf, das dennoch Geschichtskundigkeit verrät.Siegmund Kopitzki, Südkurier
Dieses Werk ... ist imposant. Dafür sorgen die zahlreichen Komparsen, die üppige Kulisse, die vielen Musiker, aber auch die Schauspieler mit absichtlich überzeichneter und durchweg guter Darstellung.Annabell Gutzmer, Schwäbische Zeitung


Über das Konstanzer Konzil

Zur historischen Situation der Kirche um 1414

Von Thomas Spieckermann

Die christliche Kirche befand sich im frühen 15. Jahrhundert in einer gravierenden Krise. Seit 1378 existierten zwei Päpste, seit dem Konzil von Pisa 1409 sogar drei. Dieses sogenannte »abendländische Schisma« spaltete die Kirche in ihren Grundfesten. Bistümer, Klöster und einzelne Priester orientierten sich an unterschiedlichen Päpsten, es gab keine »Heilsgewissheit« mehr. Darüber hinaus verstrickte sich die Kirche in zweifelhaften Praktiken - z.B. dem Ablasshandel, durch den Sünden vergeben, vor allem aber leere Kirchenkassen gefüllt werden sollten. Die Teilnehmer des Konstanzer Konzils hatten sich drei große Aufgaben gestellt: Die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit (causa unionis), die Reform der Kirche (causa reformationis) und die Reform der Glaubenslehre (causa fidei). In den Jahren von 1414 bis 1418 wurde das Schisma beseitigt und in einem Konklave im historischen Kaufhaus - dem heutigen Konzilsgebäude - mit Martin V. ein neuer Papst gewählt.
In der Sache causa reformationis und causa fidei gilt das Konstanzer Konzil als gescheitert. Eine Reform der Kirche wurde nicht beschlossen. Schlimmer noch: Die Verbrennung von Jan Hus und Hieronymus von Prag als Ketzer führte zu Volksaufständen in Böhmen und schließlich zu den Hussitenkriegen. Auch bereitete die Reformunfähigkeit der Kirche den Boden für die Reformation Martin Luthers 1517. Vor diesem globalen Urteil sind aber trotzdem einige Errungenschaften des Konzils besonders erwähnenswert. So stellt die Absetzung der drei Päpste nicht nur eine politische und diplomatische Meisterleistung dar, notwendig dazu war das Selbstbewusstsein der Konzilsteilnehmer sich kanonisch über die Autorität des Papstes zu erheben. Im Dekret »Haec sancta« (1415) stellte sich das Konzil über das Papsttum. Wegweisend war auch die Einführung eines neuen Stimmrechtes. Auf dem Konzil wurde nach Nationen abgestimmt - gemeint waren hier universitäre Einflussgebiete, nicht Staaten -, und damit wurde erstmals die Dominanz italienischer Kardinäle in der Kurie gebrochen. Man versuchte, die gesamte christliche Welt zu repräsentieren und nicht nur einen Bischof von Rom zu wählen. Außerdem wurde beschlossen, dass es in Zukunft in regelmäßigen Abständen Konzile geben sollte, um über globale Fragen der Kirche zu beraten und zu entscheiden (Dekret Frequens). Das Konzil von Basel 1431 trat aus diesem Willen heraus zusammen. In diesen Punkten wurden wichtige Entscheidungen getroffen, die in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten zum Teil wieder zurückgenommen oder relativiert wurden, die für das Konzil von Konstanz aber von großer Relevanz waren.