20.10.2013

WILLY SCHÜRMANN-HORSTER


Wolfgang Hagemann


KONSTANZER THEATERMANN, WIDERSTANDSKÄMPFER, MATERIALIST

Lesung mit Hans Coppi , Wolfgang Hagemann und Zeljko Marovic
mit anschließendem Gespräch - Moderation Christoph Nix

»Wenn ich auch gern zugeben will, dass es womöglich leichter ist, den Menschen das Fliegen zu lehren, als von Ihnen selbständiges Denken, eine geistige Haltung zu verlangen, so werde ich doch nicht aufhören, dies Verlangen intensiv immer wieder zu stellen, weil ich weiß, dass es erfüllt werden muss.« (aus Willy Schürmann-Horsters letztem öffentlichen Vortrag in Berlin vor Schauspielschülern und interessierter Öffentlichkeit 1941)

In den zwanziger Jahren war Willy Schürmann-Horster als Schauspieler und Regisseur bei vielen Inszenierungen in Deutschland dabei. In den Dreißigern stieß er in Berlin zum Wi-derstandskreis der „Roten Kapelle". 1941wurde er als Dramaturg und Werbeleiter am Theater Konstanz engagiert. Der Schauspieler Wolfgang Müller, mit Willy Schürmann-Horster bekannt, hatte ihn dem neuen Konstanzer Intendanten Fritz Becker empfohlen. Als Schauspieler trat Schürmann-Horster in Konstanz jedoch nicht auf. In der Spielzeit Oktober 1941 bis Mai 1942 gab es 247 Aufführungen. Um die männlichen Schauspieler von Einberufungen zu schützen, organisierte Schürmann-Horster 1942 nach Beendigung der Theatersaison erfolgreich eine zusätzliche Sommersaison. Über seine angeblichen politischen Aktivitäten in Konstanz fanden sich keine Hinweise. Man munkelte über seine Vorgeschichte, und im Theater wurde er scherzhaft als „Kulturbolschewist" bezeichnet.

Im Oktober 1942 wurde Willy Schürmann-Horster in Zusammenhang mit der Verhaf-tungswelle gegen Widerstandskämpfer der „Roten Kapelle" verhaftet und nach Berlin gebracht. Bis zuletzt war er sich sicher, einer Verurteilung entgehen zu können. Der Konstanzer Intendant fuhr nach Berlin und setzte sich vergeblich für seinen Mitarbeiter bei der Reichstheaterkammer und den Justizbehörden ein. Wegen angeblichen Hochverrats wurde Schürmann-Horster, zusammen mit anderen, im August 1943 zum Tode verurteilt, und am 9. September 1943 hingerichtet.

Dr. Hans Coppi, der mit seinem Vortrag » Widerstand aus Freundeskreisen: Die Rote Kapelle« an der Veranstaltung teilnimmt, ist Sohn der Widerstandskämpfer Hans und Hilde Coppi, Historiker, Freier Mitarbeiter an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, sowie Vorsitzender der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Er realisierte Ausstellungen und zahlreiche Veröffentlichungen zur „Roten Kapelle", zum Arbei-terwiderstand und zur antifaschistischen Erinnerungskultur.

 

MIT: Dr. Hans Coppi, Wolfgang Hagemann, Zeljko Marovic