08.01.2014 | Werkstatt | ca. 70 Min. ohne Pause

Richard III. - Revolution, Baby!


nach William Shakespeare


Auf dem Höhepunkt der Rosenkriege ist die Welt in Aufruhr: Die englischen Adelshäuser York und Lancaster bekämpfen sich bis aufs Blut. Es herrscht Orientierungslosigkeit, Neid und Missgunst. Doch einer scheint genau zu wissen, was zu tun ist: Richard, der Herzog von Gloucester. Als verführerischer Usurpator wird er zum König des Schmerzes und des Hasses. Seine Liebe ist ein Aufstand und wo andere aufhören, mordet er weiter.

In dem in nur zwei Wochen erarbeiteten performativen Spektakel präsentieren zwei Schauspieler Shakespeares Drama über eine fleischgewordene Grenzüberschreitung, die zum Mythos wurde. Denn ob als geschmeidiger Verführer, tyrannischer Meister der politischen Intrige oder verbrecherische und verkrüppelte Spielernatur - William Shakespeare erschuf einen Superschurken, der später nicht nur Schiller (Franz Moor, »Die Räuber«) und Brecht (»Arturo Ui«) als Vorbild für deren eigene zentrale Dramenfiguren diente. Auch in Literatur, Film und Comics kann man Richard-Klonen begegnen. Dies ist auch die Ausgangsbasis für diese eigenwillige Bearbeitung des Stoffes durch Andreas Bauer.

Stark performative Elemente, gepaart mit Zitaten im sogenannten »mashup«-Stil (u.a. aus Film, Musik sowie Original-Shakespearetexten) zeichnen diese Inszenierung aus. Die Zuschauer werden auf unterhaltsame Weise nicht nur zu wissenden Beobachtern und Zeugen unglaublicher Vorgänge, sondern somit auch zu Komplizen - und gar Mittätern. Dies alles vor dem Hintergrund des immer aktuellen Spannungsfeldes von Liebe, Macht und Manipulation, Gier und Tod. Ganz in Shakespear'scher Tradition werden die Frauenrollen dabei von einem Mann (Georg Melich) verkörpert.

Andreas Bauer ist Regisseur und Projektleiter der Werkstatt Europa am Theater Konstanz. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich derzeit intensiv mit Macht und deren Folgen sowie der Wirkung und Darstellbarkeit von Gewalt.

 


© Guido Kasper