09.02.2014 | Stadttheater

Natascha, Véronique und Paul


Friederike Kretzen


Autorenlesung mit Friederike Kretzen

Köln im Sommer 1982, Schauspielschüler proben ein südamerikanisches Stück mit Cowboys, Geistern und Wandertheater. Es ist heiss und keiner weiss mehr, wie es Sommer geworden ist. So auch Natascha, Véronique und Paul, drei Freunde, die im Theater arbeiten. Abends treffen sie sich in Nataschas Küche, und ein anderes Theater geht mit ihnen durch, das von den Ausläufern einer Ästhetik des Widerständischen handelt. Sie spüren, dass etwas an sein Ende kommt, ihre Jugend geht zu Ende, doch wie sich von ihr verabschieden? Wie geht der Abschied von einer Zeit und einer Jugend? Wie kann eine andere Zeit anbrechen und zwar so, dass keiner daran sterben muss? Das fragten sie in jenem Sommer und seither.

Bald dreissig Jahre später, es wird das vierzigste Woodstock-Jubiläum gefeiert, ruft Paul Véronique an und da setzt das Buch ein. Das eine Vergangenheit zu erzählen sucht, die bis heute nicht als Vergangenheit empfunden werden kann. Denn konnte es tatsächlich sein, dass das, wovor sie sich fürchteten, schon lange hinter ihnen lag? Woher sollten sie das wissen? Hand aufs Herz, sagten sie sich, und wie immer, wenn sie mit sich sprachen, taten sie das in der Sprache von anderen.

Da haben wir die Geschichte dieses kleinen Werks, in dem  Véronique an einem Sommer schreibt, in dem alles wieder geschieht. Paul wohnt in der Kastanienallee zehn, und wo er auch geht und steht, singt er von Jacques Brel »Ne me quitte pas«. Natascha trägt keine Strumpfe an den Fussen und arbeitet an Edward Bonds „Die See". Sie sind Véroniques Begleiter durch die Jahre des Sommers, und noch ist ihr nicht vorstellbar, wie sie sich je von ihnen verabschieden können soll.

Aufrührerische Gefühle in kippenden Zeiten:

»Traumbild einer Epoche« NZZ
»Hellwache Traumtänzerei« FR
«Wundersam träumerischer, stilistisch bravouröser Roman über die Zeit als Kategorie permanenter Entgrenzug und das Leben als oszillierende Geschichte ohne feste Aggregatzustände« FAZ

Friederike Kretzen wurde 1956 in Leverkusen geboren. Sie studierte Soziologie und Ethnologie. Sie arbeitet als Dramaturgin, und lebt seit 1983 als freie Schriftstellerin in Basel. Zuletzt erschienen von ihr die Romane » Übungen zu einem Aufstand«, 2002 und »Weißes Album«, 2007.