03.04.2014 | Werkstatt

Blumen für Otello




Die deutsch-jüdische Autorin Esther Dischereit stellt auf der Werkstattbühne des Theater Konstanz ihr deutsch-türkisches Buch »Blumen für Otello - Über die Verbrechen von Jena« vor, das im März erscheinen wird. Begleitet wird sie dabei von der türkischstämmigen DJ Ipeg aus Berlin. Ihre Klagelieder und das Opernlibretto über die Morde der NSU wenden den Blick von den Tätern auf die Opfer: »Medial dominierten diese Killer. Ich wollte die Betroffenen und Getöteten sichtbar werden lassen. .« Esther Dischereit

Mit der Shakespeare-Figur des Otello, der als erfahrenes Opfer des Mobs im Gespräch mit dem ermordeten türkischen Blumenhändler Licht in das bringt, was geschehen ist, führt Dischereit uns handgreiflich und zugleich theatralisch vor Augen, wie das Fremde erniedrigt, bekämpft, ausgestossen wird - gestern und heute.  Ihre Texte sind Teil einer Trauerarbeit unserer Gesellschaft und der Versuch, die Sprachlosigkeit zu überwinden angesichts der Grausamkeit der Taten und der im Versagen offensichtlich werdenden Vorurteile deutscher Behörden.

Die Klagelieder und das Opernlibretto erscheinen in einer aufwändig gestalteten deutsch-türkischen Ausgabe. Ort und Termin der Uraufführung sind noch offen. Die Bearbeitung als Hörstück wird von Guiseppe Maio für DeutschlandRadio Kultur vorbereitet. Sendetermin ist der 18. April 2014.

Esther Dischereit wurde 1952 in Heppenheim geboren, sie ist heute als Lyrikerin, Essayistin, Erzählerin, Theater- und Hörstückautorin erfolgreich. Seit 2012 ist sie Professorin für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Für »Blumen für Otello« hat sie regelmäßig die Sitzungen des Bundestagsuntersuchungsausschusses zu den NSU-Morden besucht.

MIT: Esther Dischereit, Ipek Ipekcioglu