28.09.2014 | 1:20 h (keine Pause)

Gestern habe ich aufgehört mich zu töten. Dank dir, Heiner Müller


Rogelio Orizondo, Übersetzung Dorothea Köhler
Deutschsprachige Erstaufführung


Sein oder Nichtsein? Ist diese berühmte Frage aus Shakespeares »Hamlet« heute noch relevant oder geht es für die nachfolgenden Generationen nicht längst darum, wie man zugleich sein UND nicht sein kann in einer Welt in der sich die Grenzen zwischen Realität und Virtuellem Raum längst aufgelöst haben, in der nicht mehr Hamlets Vater herumgeistert , sondern mediale Erscheinungen versuchen, uns zu manipulieren, uns zum Handeln oder nicht Handeln, zum Kaufen und Verkaufen bewegen wollen.
Amlet, Ophelia, Laertes und Braz sind vier Jugendliche auf der Suche nach einer Zukunft jenseits der Gräber ihrer Vorfahren, auf der Suche nach einer Vision in einer Welt, die nur noch aus Zitat zu bestehen scheint, unfähig eigene Worte, eigene Wünsche, Gedanken und Hoffnungen zu formulieren und doch von der starken Sehnsucht nach Bedeutung der eigenen Existenz erfüllt.

Rogelio Orizondo , Autor aus Kuba, der für dieses Stück 2010 mit dem Virgilio-Piñera- Preis ausgezeichnet wurde, hat Shakespeares »Hamlet« und Heiner Müllers »Hamletmaschine« in unsere Gegenwart hineingeschrieben, ein Stück über die Lebenssituation junger Menschen nicht nur auf Kuba, sondern überall auf der Welt, über die Unfähigkeit sich mit den bestehenden Verhältnissen arrangieren zu können und über die Unfähigkeit diese Verhältnisse nicht ändern zu können, über Schmerz, Lust und Trauer, über das Scheitern an der Liebe und der Kunst.

Andreas Bauer nimmt sich nach »Richard III- Revolution, Baby« ein weiteres Mal einem Stück mit Shakespearehintergrund vor. In einer temporeichen und musikalischen Inszenierung mit Clubatmosphäre zeigt er zusammen mit Bühnenbildnerin Petra Linsel, was passiert, wenn Menschen ihre Körper nur noch als Verkaufsoberfläche begreifen, wenn die Kunst und das Theater selbst nur noch nach Kriterien der Effizienz beurteilt werden.

 


© Bjørn Jansen