20.03.2015 | Stadttheater | 70 Minuten ohne Pause

María de Buenos Aires


Tangooper von Astor Piazzolla, Libretto von Horacio Ferrer


Zeitgleich mit General Rocas »Wüstenfeldzug«, dem Genozid, dem nahezu die komplette argentinische Urbevölkerung zum Opfer fiel, setzte 1876 ein Einwandererstrom aus Europa ein. Es entstand eine Gesellschaft harter Klassengegensätze, in der sich viele Natio­nalitäten mischten - auch in der Musik. Zwischen Polka, Mazurka, Walzer und kubanischer Musik formte sich der Tango, um 1900 Tanz der Zuhälter und Dirnen von Buenos Aires. Astor Piazzolla, der große Erneuerer des Tango, entwirft in seiner »Tango Operita« von 1968 eine Serie poetischer Bilder, die dem surrealen Libretto von Horacio Ferrer folgen.

María, »an einem Tag geboren, als Gott betrunken war«, zieht aus der Vorstadt ins Zentrum von Buenos Aires, wo sie in den Tango-Lokalen der Stadt schnell als Kabarett-Tänzerin berühmt wird - bis sie in die Hände von Dieben und Zuhältern fällt. Immer wieder totgeglaubt, steht sie immer wieder auf, gebiert sogar ihren eigenen Schatten, der von nun an durch die Straßen der Stadt geistert, auf der Suche nach María, auf der Suche nach sich selbst. María verkörpert den Tango, »traurigen Gedanken den man tanzt«, der zum musikalischen Symbol Argentiniens mit seiner wechselvollen Geschichte zwischen Demokratie und Diktatur geworden ist.

Christine Eder, geboren in Linz, studierte zunächst Theaterwissenschaft in Wien, bevor sie das Studium der Theaterregie am Institut für Theater, Musiktheater und Film der Universität Hamburg absolvierte. Ihre Arbeiten, z.B. »Eros« von 2010, wurden mehrfach zum Festival »Radikal Jung« eingeladen. Am Theater Konstanz war zuletzt ihre Inszenierung von Shakespeares »Der Sturm« zu sehen.

 

 


© Ilja Mess