22.05.2015 | Stadttheater

Der Vater


von August Strindberg


August Strindbergs Drama »Der Vater« wurde am 14. November 1887 in Kopenhagen uraufgeführt. Es stammt aus der frühen Schaffensphase Strindbergs, der bis heute sowohl als einer der bekanntesten wie auch umstrittensten Dramatiker Schwedens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gilt. Unter anderem die Darstellung und Rolle der Frauen in seinen Werken werden bis heute kontrovers diskutiert.

Strindbergs Drama erzählt die Geschichte eines familiären Konflikts. Die Ehe des Rittmeisters und seiner Frau Laura ist erkaltet. Er empfindet sie als gluckenhaft, sie zweifelt schon seit längerem an seinem Geisteszustand. Als er beschließt, die gemeinsame Tochter Bertha zur Ausbildung in die Stadt fortzuschicken, eskaliert die Situation. Mit allen Mitteln arbeitet Laura gegen seine, von Rechtswegen gesicherte, Entscheidung an. Sie strebt danach, die gemeinsame Umwelt gegen ihn aufzubringen und macht ihre Gedanken zu seiner Geisteskrankheit publik - und stürzt ihn überdies in unauflösliche Zweifel über die eigene Vaterschaft. Wie ein Damoklesschwert hängt der Verdacht über dem Rittmeister, packt ihn wie eine selbsterfüllende Prophezeiung und löst seinen unaufhaltsamen Untergang aus. Mit sezierender Präzision beschreibt Strindberg die zerbrechende Ehe und die Zerstörung eines Menschen in diesem Geschlechterkrieg ohne Maß und Ziel.

Johanna Wehner ist seit 2014 Oberspielleiterin in Konstanz. Sie inszenierte in dieser Spielzeit bereits »Das Geisterhaus nach Isabel Allende« sowie »Allwissen« von Tim Carlson. Nun nimmt sie sich mit »Der Vater« von August Strindberg eines Theaterklassikers an. Sie arbeitet darüber hinaus unter anderem in Freiburg, Jena und Frankfurt, wo sie »Die Geierwally«, »Macht nichts« nach Elfriede Jelinek, sowie zuletzt Maxim Gorkis »Nachtasyl« inszenierte.


© Ilja Mess