12.06.2015 | Stadttheater

Eines langen Tages Reise in die Nacht


von Eugene O'Neill


Eugene O'Neill, Literaturnobelpreisträger und Gewinner von vier Pulitzer-Preisen, gilt als der eigentliche Begründer des modernen amerikanischen Dramas. Er verbindet die psychologisch-analytischen Ansätze von Ibsen und Strindberg mit ureigenen amerikanischen Stoffen. Im Zentrum seiner Stücke steht dabei immer wieder die Familie, über die eine Tragödie im antiken Sinne hereinbricht - so auch in »Eines langen Tages Reise in die Nacht«:

Das Konstrukt aus Lebenslügen und scheinbarer Idylle, in dem die Tyrones mit ihren beiden Söhnen James und Edmund leben, bricht in dem Moment zusammen, als Edmund die Diagnose erhält, an Tuberkulose erkrankt zu sein. Plötzlich, als der Schatten des Todes Einzug hält in die Familie, entledigen die Figuren sich ihrer Fassaden und sezieren schonungslos ihre Existenz, verlieren sich in Vorwürfen und Selbstanklagen. So versagt der Vater aus krankhaftem Geiz dem Sohn ärztliche Hilfe, während die Mutter schon längst drogenabhängig geworden ist und sich so in ihre eigene Realität geflüchtet hat. Ein großartiges und dunkles Drama, das die seelischen Wunden und Defizite der Figuren unbarmherzig offenlegt.

Sascha Bunge, geboren in Brandenburg/Havel, studierte Theaterwissenschaft, Kulturelle Kommunikation und Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war viele Jahre Oberspielleiter des Theaters an der Parkaue. In Konstanz war seine Inszenierung von »Biedermann und die Brandstifter« zu sehen. 

 


© Ilja Mess