30.01.2015 | Stadttheater | 2 Std. 30min mit Pause

Richard III


von William Shakespeare


William Shakespeare verfasst 1593 mit der Tragödie »Richard III.« das Meisterstück seiner Königsdramen. Der Aufstieg und Untergang des Usurpators zeigt Mechanismen und Strukturen von Machtdiskursen auf, die an Diktaturen unserer heutigen Zeit erinnern.

England atmet auf. Die Rosenkriege haben ein Ende gefunden. Das Haus York hat mit Edward VI. den Thron für sich errungen. Das Schlachten scheint vorbei, Ruhe und Wohlstand kehren ein. Dies ist die Stunde für Richard Plantagenet, den Herzog von York. Der kleine gesichtslose Bruder des Königs tritt bucklig und hinkend auf das Spielfeld. Erneut beginnt das »Game of Thrones«. Richard spinnt Intrigen, heuchelt, heuert Mörder an, verleumdet, geht Bündnisse ein und bricht sie wieder. Richard III. ist der Fürst Machiavellis, er verkörpert den Machtpolitiker in Reinform. Die Regeln des Staatsapparates kennend, spielt er die Anderen gekonnt aus. Eine Figur nach der Anderen ist gezwungen, das Spielfeld zu räumen und dem Henker gegenüberzutreten. Richard verwandelt das Königshaus kaltblütig zum Schlachthaus. Shakespeare verleiht mit »Richard III.« der berechnenden Intelligenz und Machtgier ein Antlitz. Scheußlich und grausam grinst uns die Fratze an. Entsetzt und fasziniert können wir den Blick nicht abwenden.

Krysztof Minkowski,geboren in Szczecin in Polen, studierte Theaterwissenschaft und Schauspiel, anschließend Theaterregiean der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«, Berlin. 2009 war seine Inszenierung von Tschechows »Drei Schwestern « zum Theatertreffen nach Warschau eingeladen. In Berlin arbeitete er als Regisseur regelmäßig in Justizvollzugsanstalten und erarbeitet Inszenierungen mit Flüchtlingen. Im Frühjahr 2013 war er artist in residence am Theater Momentum in Odense, wo er die Uraufführung des Romans »Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod« von Knud Romer inszenierte.


© Ilja Mess