19.04.2015 | Werkstatt

Beihilfe zum Völkermord - Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier


Lesung von Jürgen Gottschlich


Den Namen Hans Humann hörte ich in der Türkei das erste Mal während eines Gespräches kurz nach dem Mord an dem armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink 2007. Dieser hatte eine in der Türkei bis dahin nie da gewesene Protestwelle gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich ausgelöst. Wir saßen in einem Café in einer der neuen, mondänen Shoppingmalls. Mein Gesprächspartner war ein bekannter Journalist, der länger in Deutschland gearbeitet hatte. »Wenn es denn ein Völkermord war, was ich nicht glaube «, sagte er, »dann sind doch die Deutschen diejenigen, die den größten Anteil daran haben. Schließlich waren es die Deutschen, die die Deportationen vorgeschlagen und organisiert hatten. Immerhin war der engste Berater von Kriegsminister Enver Pascha damals der deutsch Marineattaché Hans Humann. Un der Generalstabschef des türkischen Heeres war ebenfalls ein deutscher: General Bronsart von Schellendorf .«

Jürgen Gottschlich, seit 1998 taz- Korrespondent in Istanbul und Autor.