29.04.2016 | Stadttheater | 1:40h ohne Pause

Ein Volksfeind


Henrik Ibsen / Deutsch von Angelika Gundlach / In einer Bearbeitung von Thomas Brasch


Im Rahmen des internationalen Bodenseefestivals 2016

Dem idyllischen Kurort an der norwegischen Küste droht ein Skandal: Das Heilwasser des Stadtbades - Stolz, wirtschaftliche Kraft und Quelle des Wohlstands der Kleinstadt - ist durch Industrieabfälle verseucht. Der Badearzt Thomas Stockmann besitzt Analysen, die das schwarz auf weiß belegen. Zusammen mit Presse und Vertretern der Stadt will er darauf aufmerksam machen und zum Wohle aller einen Umbau des Stadtbades erwirken. Doch die anfängliche Unterstützung wandelt sich schnell in Skepsis, als bekannt wird, dass Steuereinnahmen die Kosten der Sanierung decken sollen. Tomas eigener Bruder Peter, der Bürgermeister, versucht mit allen Mitteln den Skandal abzuwenden. Ein Bruderkrieg um Ansehen und Macht entbrennt.
Henrik Ibsens 1882 geschriebene Tragikomödie hat bis heute nichts von ihrer Brisanz als Politthriller und gnadenlose Satire auf Medien und Politik eingebüßt.

Dietrich W. Hilsdorf ist einer der wichtigsten Klassiker-Regisseure im Bereich Schauspiel, Oper und Musical. 2007 erhielt er in der Kategorie »Beste Regie Musiktheater« den Deutschen Theaterpreis DER FAUST. »Ein Volksfeind« ist Hilsdorfs 157. Inszenierung und seine erste Arbeit am Theater Konstanz.

Axel Julius Fündeling bringt die Radikalisierung in seiner Figur eindrucksvoll zur Geltung, überzeugend auch Georg Melich als um Fassung bemühter Gegenspieler Peter. Sebastian Haase und Ralf Beckord gefallen in den Nebenrollen des Chefredakteurs Hovstad und Druckereibesitzers Aslaksen. Herausragend ist Jana Alexia Rödigers Interpretation einer verbitterten Ehefrau, die keinen Ausweg findet aus ihren Loyalitätskonflikten zwischen Klein- und Großfamilie, Ehemann und Gesellschaft, Privatheit und Politik.Johannes Bruggaier, Südkurier
Dem heimischen Stadttheater ist mit seiner Inszenierung von Ibsens Volksfeind zum ersten Mal gelungen, dass ich nach dem Stück mindestens genauso heftig über die Mechanismen unserer Gesellschaft wie über die Logik des Stücks debattiert habe. Die Leistung der Schauspieler war nur am Rande ein Thema und das ist vielleicht das Besondere: Sie haben etwas transportiert und sich nicht selbst produziert. Vielleicht soll Theater so sein.Johannes Schacht