21.05.2016 | Spiegelhalle | 1:50 ohne Pause

Die Macht der Gewohnheit


Thomas Bernhard
REGIE: Jo Fabian


Caribaldi ist Direktor eines kleinen Wanderzirkus´ und selbst leidenschaftlicher Cellospieler. Seit 22 Jahren nötigt er unnachgiebig seine kleine Artistentruppe zu täglichen musikalischen Proben an Schuberts Forellenquintett. Caribaldi hat das verrückte Ziel, das Quintett eines Tages in der Manege aufzuführen. Allerdings sehen wir die Artisten weder im Zirkus auftreten noch je das Quintett üben. Steht hinter allem eine ganz andere Wirklichkeit, die ohne Imagination nicht zu ertragen wäre?

42 Jahre nach der Uraufführung gilt es, das absurde Leitmotiv der handlungsarmen Sprachpartitur in theatralischen Bilden freizulegen und Thomas Bernhards Theaterstück aus 40jähriger Distanz neu zu hinterfragen, es vom gefälligen Ballast einer Ästhetik zu befreien, die seit 1974 dem Text anhängt und die nur getreu das exekutiert, was Bernhard vor 40 Jahren vorgeschrieben zu haben scheint. Diese Ästhetik hat zur konsumierbaren Verharmlosung des eigentlich radikalen Bernhardschen Blicks auf eine absurde Welt des Wahnsinns geführt. Nichts ist übrig geblieben von seiner abgründigen Verachtung des Kulturbetriebs, von seinem energischen Widerspruch gegen die harmoniesüchtige Schönfärberei einer Welt der Heuchelei und Inkonsequenz. Es ist an der Zeit, Bernhard zu schützen vor der Selbstgefälligkeit eines Theaters, das Bernhards Denken ins bunte Unverbindliche zu verwässern droht.

Jo Fabian nutzt und verbindet in seinen Arbeiten Ausdrucksformen unterschiedlicher Genres wie Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert und Installation. Neben seinen freien Produktionen in Berlin und den Niederlanden arbeitet Jo Fabian auch an Stadt- und Staatstheatern in Cottbus, Halle, Dresden, Mühlheim und Stuttgart. In Konstanz inszenierte er zuletzt 2013 „Parsifal".

Jo Fabian hat das Stück nicht nur zusammengestrichen und einige Fremdtexte hinzugefügt, er dekonstruiert sozusagen "Die Macht der Gewohnheit" und verpasst der Komödie damit eine andere Laufrichtung. [...] Während die früheren Inszenierungen [...] auf effektvoll-schnelle Abstraktionen verzichteten [...], setzt Fabian auf grelle Clownerie sowie auf absurdes, ja provokant trashiges Theater.Siegmund Kopitzki, Südkurier

Jan Kauenhowen: Zur Inszenierung

MUSIKALISCHE LEITUNG: Andreas KohlAUSSTATTUNG / BÜHNE: Jo FabianKOSTÜME: Jo FabianDRAMATURGIE: Jan KauenhowenMIT: Vincent Heppner, Matthias Horn, Thomas Fritz Jung, Laura Lippmann, Tomasz Robak