07.10.2016 | Stadttheater

Onkel Wanja


Anton Tschechow


Fern von Moskau verwaltet Wanja ein Landgut. Die hart erarbeiteten Einnahmen schickt er seit Jahren an seinen Schwager, den in Moskau lebenden Literaturprofessor Serebrjakow. Als dieser sich als Emeritus mit seiner jungen Frau Jelena auf das Landgut zurückzieht, eröffnet er Wanja, dass er das Gut verkaufen möchte, um in Finnland eine Datscha zu erwerben. Darüber hinaus muss Wanja feststellen, dass Serebrjakow ein gescheiterter Intellektueller ohne wissenschaftliche Leistungen ist. Seine Zuneigung ihm gegenüber verwandelt sich in Hass. Allerdings fühlt er sich heftig zu Serebrjakows junger Frau Jelena hingezogen.

Tschechows Stück feierte seine Premiere 1899 am berühmten Moskauer Künstlertheater. Mit seinen dramatischen Texten und der Kunst seiner Dialoge revolutionierte der Autor zu seiner Zeit die Ästhetik des Theaters und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Dichter der Welt.

Der US-amerikanische Regisseur Neil LaBute ist selbst einer der großen zeitgenössischen Dramatiker. Seine Stücke werden weltweit mit großem Erfolg aufgeführt. LaBute leitete im Sommer 2014 ein Internationales Autorenlabor am Theater Konstanz und wird mit Onkel Wanja zum ersten Mal außerhalb des englischsprachigen Raums Regie führen.


Neil LaBute directs „Uncle Vanya"

World famous Hollywood playwright and director, Neil LaBute, marks a highlight right at the beginning of season 2016/2017 at Constance Theatre with Anton Chekhov's "Uncle Vanya"!

It is the very first time Neil LaBute is directing a play outside the English-speaking area.

Opening night: 7th October 2016, 8pm, Stadttheater

Neil LaBute, born in Detroit in 1963, is one of the most important playwrights of our time. He has made his debut off broadway. Films like "In the Company of Men" (best film at Sundance Film Festival 1997 & best debut film at New York Film Critics Award), "Your Friends & Neighbors" (1998), "Nurse Betty" (best script at Cannes Film Festival 2000) and "Possession" (2002) made him famous. "Bash - Latter-Day Plays" won the "best foreign play" critics' choice award of notable German magazine "Theater heute".

In summer 2014, Neil LaBute mentored a "playwrights-laboratory " where Laura Forti (Italy), Vedrana Klepica (Croatia), Natalia Vorozhbit (Ukrayina), Rafael David Kohn (Luxembourg) and Nathan Vecht (The Netherlands) formulated new texts which have been introduced to the audience in scenic readings.

Former head dramaturg of Constance Theatre, now artistic director of Liechtenstein Theatre (TAK), Dr. Thomas Spieckermann first made contact to Neil LaBute at a workshop in Spain. Hence Andreas Bauer, artistic director of the "Werkstatt Studio Stage" at Constance Theatre from 2013-2015, initiated the "1st International Playwrights Laboratory".

Neil LaBute's own psychologically dense-construed plays often deal with the dynamics between individuals, seething relationship conflicts, love, quarrel, longings - in short: with life itself.

Constance Theatre has shown several plays of Neil LaBute, such as "The Shape of Things" in season 2015/2016, directed by Wulf Twiehaus, and "In a Dark Dark House" in season 2009/2010.

Uncle Vanya

DIRECTOR                    Neil LaBute

COSTUME & SET        Regina Fraas

DRAMATURG              Andreas Bauer

CAST :                  

Natalie Hünig, Franziska Kleinert, Laura Lippmann, Ralf Beckord, Sebastian Haase, Thomas Fritz Jung, Arlen Konietz


Allerdings nimmt LaBute - hierin ganz Amerikaner - Tschechows Stück ungeniert als well-made play, was zur Folge hat, dass "Onkel Wanja" bei ihm wie eine Boulevardtheaterkomödie daherkommt: sehr direkt, unverblümt, entertaining - mit effektbewussten Auftritts-, Lied- und Lachnummern, sommerlichem Vogelgezwitscher und einigen handfesten Übergriffen. Was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, insgesamt aber doch erfrischend ist. Dass das gut geht, liegt nicht zuletzt an der dynamischen Neuübersetzung von Elena Finkel, die den Schauspielern so glaubwürdig und barrierefrei heutig von der Zunge geht. Und es liegt natürlich an diesen Schauspielern selbst, die den Raum, den der Regisseur ihnen für Charakterzeichnung, Figurenentfaltung und auch mal leise Töne lässt, bestens zu nutzen wissen. [...]
So hat Neil LaBute am Ende doch noch einen echten Regietheaterschocker nachgelegt, und so tieftraurig, wie das gespielt ist, geht das sogar auf - und geht einem nach.
Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung 17.10.16

Durch die Zusammenarbeit von LaBute mit dem Konstanzer Dramaturgen Andreas Bauer überzeugt das Stück durch Feinheiten, die nur gelungene Produktionen aufzeigen können. Die einzelnen Charaktere sind dermassen fein ausgearbeitet, dass sie ganze Welten mit auf die Bühne bringen, erkennbar in winzigen Details, die so wohl durchdacht sind, dass sie auf Anhieb verstanden werden. [...]
All dies sind kleinste Details, die das Stück gross werden lassen. Ganz subtil, ohne lauten Knall. Diesen bringt LaBute erst in den letzten zwei Minuten. Er belässt es nicht bei Tschechows romantischer Schwelgerei einer besseren Zukunft. Er vernichtet auch diesen Hoffnungsfunken mit einer Radikalität, die dem Zuschauer die Sprache verschlägt.
Veronika Fischer, Saiten St.Gallen 11.10.16

Zwischen Astrow und Sonja und Jelena kommt es zu Momenten, in denen die Inszenierung am stärksten ist.Thomas Morawitzky, Stuttgarter Zeitung 11.10.16

…ein Theaterabend, der auch dank der starken Ensembleleistung viel Potential hat und ein würdiger Auftakt der Spielzeit 2016/2017 ist.Brigitte Elsner-Heller, Tagblatt CH | Thurgauer Zeitung, 10.10.16

Denn was Labute an diesem Abend präsentiert, was er zusammen mit seinen Schauspielern erarbeitet hat, ist über weite Strecken außergewöhnlich. [...] das eigentliche Zauberstück vollbringen die Schauspieler. Vorneweg ein phänomenaler Sebastian Haase als Onkel Wanja [...].
[...] Die Sätze zerdehnen sich in seinem Mund, vor Trockenheit so wund, dass sie nirgendwo Heilung finden, auf keine Antwort mehr hoffen können.

Neil LaButes Konstanzer Inszenierung ist ein Ereignis. Die Tschechowsche Melancholie wird weder krampfhaft vergeistigt noch aktualisiert [...].
Simon Strauß, FAZ, 21.10.16