09.10.2016 | Werkstatt | 1:50 ohne Pause

Endspiel


Samuel Beckett | Übersetzung von Elmar Tophoven


Hamm, blind und aufgrund seiner kaputten Beine an einen Rollstuhl gefesselt, ist auf seinen alten Diener Clov angewiesen, der selbst mit steifen Beinen kaum gehen kann. Beide leben sie, gemeinsam mit Hamms Eltern Nag und Nell, die keine Beine mehr haben und in Mülltonnen sitzen, als vermeintlich letzte Überlebende einer Katastrophe zusammen. Lediglich Hamm kennt die Zugänge zu den Lebensmitteln, weswegen die Übrigen auf ihn angewiesen sind. Aber auch Hamm wiederum bedarf ihrer. In Endspiel spielt Samuel Beckett mit den Figuren wie auf einem Schachfeld einer apokalyptischen Welt die Dialektik von Herr und Knecht sowie familiäre Beziehungsverhältnisse durch.

Aufgrund des vermeintlichen Nihilismus und der scheinbaren Proklamation der Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins geriet die Uraufführung von Samuel Becketts Endspiel 1957 zu einem Skandal. Über sechzig Jahre später wirken die Bilder des Stücks aktuell wie damals und deuten schonungslos die Katastrophe nach der Katastrophe aus.

Andrej Woron studierte Malerei in Warschau, bevor er in Berlin anfing als Regisseur zu arbeiten. Seit Jahren haben seine bildgewaltigen Inszenierungen ihren festen Platz am Theater Konstanz, u.a. Büchners Woyzeck, Amerika nach Kafka und zuletzt die Operette Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach.


Zwei Exitenzialkomiker, die mit Becketts Sprache leicht und lustig jonglieren, während der Boden sich mit Wasser füllt. Jörg Dathe und Bettina Riebesel tragen als elterliche Gespenster in der Tonne heiter zu diesem Gruselkabinettstückchen bei. Konstanz kann's.
Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung 17.10.16
Was ihm [Odo Jergitsch] die Rolle an körperlicher Bewegung vorenthält, kompensiert er mit großer sprachlicher Präsenz, mit Mimik und Gestik, die erschauern lassen und gleichzeitig von clownesker Komik sein können. [...]
…Becketts Sprache, die alle Darsteller in ihrer Schroffheit, gelegentlicher Anmut und Intellektueller Schärfe gut zur Geltung bringen. [...]
Wir wissen nichts. Auch das kann großes Theater sein. Eine große schauspielerische Leistung allemal.
Brigitte Elsner-Heller, Südkurier 12.10.16

Mit dem Stück «Endspiel» von Samuel Beckett wird im Stadttheater Konstanz das Ende der Existenz thematisiert. Dies geschieht fernab von Kitsch, Trost oder Menschlichkeit. [...]
Eine schauspielerische Höchstleistung, die André Rohde hier präsentiert, wenn er den Zuschauer teilhaben lässt an seinem Leid, aus dem er nicht entrinnen kann.
Veronika Fischer, Kreuzlinger Zeitung, 21.10.16