10.12.2016 | Spiegelhalle | JTK | Altersempfehlung 14+

Superhero


nach dem Roman von Anthony McCarten mit Livemusik der Band "Redensart"


Der vierzehnjährige Donald Delpe ist ein begnadeter Comiczeichner und hat - wie die meisten Vierzehnjährigen - vor allem eins im Kopf: Sex. Ein Mädchen kennen zu lernen ist ja schon schwierig genug. Aber wenn man aussieht wie ein Freak, dann macht das die Sache mit der Liebe und dem Sex nicht einfacher. Und Donald muss schneller erwachsen werden als andere Gleichaltrige: Er hat Leukämie. Krebs heißt: Leben im Zeitraffer, fast forward. Und es kann doch nicht sein, dass er als verdammte Jungfrau sterben muss!

Als er Shelly begegnet, wünscht Donald sich mehr denn je, so zu sein wie die von ihm erfundene Comicfigur Miracleman: Ein unverwundbarer Superheld, der sich um keine Konventionen schert. Während seine Eltern sich bemühen, die Lebenslust ihres Sohnes und damit den Kampfgeist gegen die Krankheit wieder zu wecken, zieht sich Donald immer tiefer in seine schräge Comic-Parallelwelt zurück, wo alles möglich scheint, was die reale Welt nicht bietet. Erst der Psychologe Dr. Adrian King erkennt das ungewöhnliche Talent seines Patienten. Zwischen dem Therapeuten und seinem Patienten entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Mit unorthodoxen Mitteln will Dr. King Donald den letzten großen Wunsch erfüllen, auch wenn ihn das seine Karriere kosten könnte. Bleibt ihm genug Zeit?

Der preisgekrönte Roman von Anthony McCarten wird in Konstanz in einer eigenen Fassung mit Live- Musik der Indie-Pop Band Redensart aufgeführt.

Sascha Flocken studierte Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität Mannheim und arbeitete als Regieassistent am Theater Freiburg. Dort inszenierte er Zweier Ohne und Tschick. In der Spielzeit 2014/15 leitete er das Jugend- und Schulprogramm des Festivals Politik im Freien Theater in Freiburg. Am Theater Konstanz inszenierte er vergangene Spielzeit die Uraufführung von Spinne.

Redensart: Es ist gar nicht so einfach, den Sound der ursprünglich aus Konstanz stammenden Band Redensart zu beschreiben. Die vier Musiker Danny McClelland, Markus Brückner, Laurin Rutgers und Gabriel Bechler verweben honigsüße Folkmelodien mit kantigem Indie-Rock, durch den immer wieder ein bisschen Pop durchschimmert. Das klingt mal fluffig leicht, mal brettert es einem mit enormer Wucht entgegen. Mit zwei selbst veröffentlichten CDs im Gepäck tourten die Vier in den letzten Jahren quer durch die Republik und über die Landesgrenzen hinaus und spielten über 300 Konzerte. Mit der Idee, einen Soundtrack für ein Theaterstück zu komponieren und in den Vorstellungen live zu spielen, betreten die vier Musiker Neuland. Dafür lassen sich die Jungs ganz auf die Innenwelt krebskranken Donald Delpe ein, dessen Stimmung zwischen den Extremen hin- und herpendelt. Das klingt mal düster-depressiv, dann gelöst und optimistisch: Eine Soundwelt, die einen mitnimmt auf eine emotionale Achterbahnfahrt.



Am Stadttheater Konstanz gelingt es Regisseur Sascha Flocken, mit Comics, Livemusik und einer authentischen Spielweise Antworten zu geben auf harte Fragen, ohne dabei belehrend zu wirken. Veronika Fischer, Saiten St. Gallen, 15.12.2016
Donald entwickelt seine romantischen Fantasien rund um Shelly ebenso wie seine Idee, was Liebe sein könnte: „13 bis 15 Mal am Tag würde sie ihre Beine um mich schlingen, die mich wie Engelsflügel umarmen“, so Donald, der von Arlen Konietz meisterhaft dargestellt wird. Ihm nimmt man jede emotionale Station auf seiner Berg- und Talfahrt ab. Im ersten Date mit Shelly, die ebenso hervorragend von Laura Lippmann interpretiert wird, legen die beiden eine Peinlichkeit an den Tag, die dem Zuschauer selbst feuchte Handflächen bereitet. Und die Erkenntnis, wie gut es doch ist, diese Zeit hinter sich zu haben.Veronika Fischer, Saiten St. Gallen, 15.12.2016
Durch die Comicebene gelingt neben der Flucht aus der tragischen Realität der Chemostation auch die Reflexion des Innenlebens eines 14-Jährigen abseits seiner Krankheit. Diese wird in das Stück per Videosequenzen eingespielt – ein Medium, das im Theater oft mehr gewollt als gekonnt eingesetzt wird. Doch das ist hier definitiv nicht der Fall. Die kunstvollen Comicszenen von Jens Dreske sind so platziert, dass sie der Story eine zweite Ebene geben und somit ablenken vom Desaster des nahenden Todes. Die Krankheit wird damit aufgebrochen, ebenso wie die Erzählweise, die zwischen Wut und Wehmut pendelt.Veronika Fischer, Saiten St. Gallen, 15.12.2016
Und hier mus ssogleich ein weiteres Highlight der Inszenierung Erwähnung finden. Mit der Gruppe "Redensart" gibt es Livemusik, einen Soundtrack, der mit Wucht und Gefühl Donals Innenleben hörbar macht. Ein Erdbeben aus Ängsten, Hoffnung, Fragen. [...]
Das Schrille der Comics und die Tragik der Komik verdichten sich zu einem atmosphärischen Gemisch, in dem sich die alten Fragen um Liebe und Tod neu stellen lassen.
Maria Schorpp, Südkurier, 13.12.2016

"Was bleibt"  - der Titelsong zum Stück - von Redensart gibt es zum download hier!

Alle Einnahmen des Songs spendet die Band an eine Kinderkrebshilfe in Malawi.


MUSIKALISCHE LEITUNG: James Douglas AUSSTATTUNG / BÜHNE: Franziska JacobsenKOSTÜME: Franziska JacobsenCHOREOGRAFIE: VIDEO: Jens DreskeDRAMATURGIE: Antonia BeermannMIT: Arlen Konietz, Laura Lippmann, Axel Julius Fündeling, Katrin Huke, Ingo Biermann, Philip HeimkeMUSIK: Live-Band Redensart: Danny McClelland, Gabriel Bechler, Markus Brückner, Laurin Rutgers); WEITERE: Miriam Dold, Steven Draffehn, Katharina Schlumberger, Philipp Teich