11.02.2017 | Spiegelhalle | 1:30h ohne Pause

Angst essen Seele auf


Drehbuch von Rainer Werner Fassbinder


Fremde Klänge wehen aus einer Bar auf die verregnete Straße. Emmi Kurowskis Neugier siegt über ihre Angst: Die verwitwete Putzfrau folgt der Musik und betritt spontan die Bar. In der Kneipe betrinkt sich der aus Malawi stammende Mphundu und versucht, seinen Alltag zu vergessen. Halb aus Spaß, halb aus Mitleid fordert er Emmi, gut zehn Jahre älter als er, zum Tanzen auf. Diese zarte, unbeholfene Begegnung endet mit einer gemeinsam verbrachten Nacht. Die zwei vermeintlich Ungleichen verlieben sich, finden Halt aneinander und entdecken, wie gleich sie sich in ihrer Einsamkeit sind.
Mphundu bekennt sich zu der älteren Frau, sie sich zu dem jüngeren Mann aus Malawi. Allen Anfeindungen der Nachbarn, Arbeitskollegen und Verwandten zum Trotz leben sie ihre Liebe selbstbewusst und öffentlich  - und heiraten. Doch der Kampf um ihr gemeinsames Glück droht nicht nur an der Diskriminierung durch ihr Umfeld, sondern auch an den eigenen Ängsten und Zweifeln zu zerbrechen.

Mit Angst essen Seele auf gelang Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder der internationale Durchbruch. Sein berührendes Melodram, das 1974 unter anderem den Kritikerpreis auf den Filmfestspielen von Cannes gewann, spiegelte der Bundesdeutschen Öffentlichkeit den Rassismus, dem die damals sogenannten Gastarbeiter ausgesetzt waren. Der Leidensweg des ungewöhnlichen Paares ist ein Plädoyer für die Liebe zwischen den Menschen, ganz gleich welchen Alters oder welcher Herkunft sie sind.

Die Regisseurin Johanna Schall inszeniert am Theater Konstanz eine Bühnenfassung von Fassbinders Drehbuch, das 40 Jahre später nach wie vor traurige Aktualität hat. Es legt die Motive von Fremdenfeindlichkeit ebenso schonungslos frei wie die Mechanismen sozialer Unterdrückung.

Johanna Schall begann ihre Schauspielausbildung 1980 in Berlin. Nach Festengagements am Kleist-Theater Frankfurt/Oder und dem Deutschen Theater Berlin arbeitet sie seit 1993 als Regisseurin. Nach Der Diener zweier Herren in der letzten Spielzeit wird sie Fassbinders wohl berühmtestes Melodram in Szene setzen.