10.02.2017 | Werkstatt | 1:45 h

Der Tod und Das Mädchen


Ariel Dorfman | Deutsch von Ulli Stephan und Uwe B. Carstensen


Chile, kurz nach Wiederherstellung der Demokratie. Drei Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen begegnen einander. Paulina, ein Opfer des Militärregimes unter General Pinochet leidet noch immer am Trauma der im Gefängnis erlebten Folter. Ihre Angstzustände isolieren sie, das Studium bleibt unbeendet. Ihr Mann Gerardo hingegen macht Karriere als Mitglied einer Kommission zur Aufklärung der Verbrechen des alten Regimes. Einer Kommission, die nur Morde verfolgt und die Namen der Täter nicht aufdecken darf. Als er einen Fremden mit nach Hause bringt, glaubt seine Frau ihren Folterer wiederzuerkennen. Sie überwältigt den freundlichen Mann, bedroht ihn und schockiert Gerardo mit dieser Umkehrung der Gewaltverhältnisse, die seine Karriere zerstören könnte. Schockiert befürchtet er, Paulina sei fähig den Gefangenen zu verletzen oder sogar zu töten. Doch Paulina will Vergangenheitsaufarbeitung. Sie will die offene, nichts beschönigende Auseinandersetzung mit ihrem Mann. Und ein Geständnis des Täters. Sie will, was der Staat und seine offizielle Rechtsprechung im Dunkeln lassen: die ganze Wahrheit.

Ariel Dorfmans Stück Der Tod und das Mädchen entstand 1991, unter dem Eindruck der öffentlichen Debatte in Chile über den Umgang mit den zurückliegenden Verbrechen und zeigt, wie tiefgreifend gesellschaftliche Machtstrukturen unsere menschlichen Beziehungsstrukturen bestimmen. Und nicht zuletzt warnt sein Stück vor dem Verlust der Freiheit, vor vorbeugenden Verhaftungen oder elektronischen Fußfesseln, die keine Sicherheit garantieren, aber unsere demokratische Rechtsstaatlichkeit demontieren können. Mitten in Europa. Wo wieder ein gestriger Ungeist sein Unwesen treibt. In Polen. Ungarn. Oder der Türkei. Bei uns.

Armin Peterka, geb. 1989 in Meiningen studierte nach einem Festengagement am Theater Regensburg an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig Dramaturgie. Er assistierte an der Musikalischen Komödie Leipzig und am Salzburger Landestheater, realisierte eigene Projekte/ Uraufführungen junger Autoren in der freien Szene Leipzigs und ist seit der Spielzeit 2015 / 2016 Regieassistent am Theater Konstanz, wo er mit Der Tod und Das Mädchen erstmals inszeniert.

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AUSSTATTUNG / BÜHNE: Karl-Heinz SteckDRAMATURGIE: Henrik Kuhlmann, Anna LanghoffMIT: Katrin Huke, Thomas Fritz Jung, Axel Julius FündelingWEITERE: Ana Gutschke, Philipp Teich