04.12.2016

Lerne lachen ohne zu weinen




Nie zuvor ging es im Kleinkunstkeller so lebendig zu wie in den zwanziger Jahren, die man als Blütezeit des deutschen Kabaretts rühmt. Kurt Tucholsky, einer der Väter und geistigen Wortführer beschreibt die Rolle des Satirikers so: „Er ist ein gekränkter Idealist und will die Welt gut haben, und nun rennt er gegen das Schlechte an. (...) Was darf also Satire? Alles!" Vom bekannten Autor der „Weltbühne" avanciert er bald zum gefragten Texter des angesehenen Berliner Kabaretts „Schall und Rauch". Tucholsky liefert Chansontexte für seine Lieblings-Diseuse Gussy Holl und schreibt ihr Anzüglich-Erotisches bis Zupackend-Zeitkritisches auf den Leib. Die Reichshauptstadt Berlin erlebt trotz politischer und weltanschaulicher Spannungen einen Sturm auf die Vergnügungsstätten. Unterhaltung und Zerstreuung werden groß geschrieben, doch seine „Rote Melodie", gesungen von Rosa Valetti zeigt, dass Tucholsky einen besonderen Ton in der Kabarettwelt anschlägt. Über sein stetes politisches Engagement hinaus setzt Tucholsky seine Schreibkunst auch in den Dienst der Unterhaltung und verfasst für Rudolf Nelsons Revue „Wir steh´n verkehrt" u.a. den unvergesslichen Text „Mir ist heut' so nach Tamerlan". Ausgiebig widmet sich Tucholsky auch dem Thema „Frau" und zeigt sich hier als „Frauenversteher". So lässt er die Frau sprechen: „Der erste Mann ist stets der Unglücksfall. Die wahre Erkenntnis liegt unbestritten zwischen dem zweiten und dem dritten!" Eine weitere denkt: „Liebe kostet manche Überwindung. ... Männer sind eine komische Erfindung!" Humorvoll und hintergründig sind seine Texte, die er dem weiblichen Geschlecht auf den Leib schreibt - gewürzt mit einer ordentlichen Prise Ironie, womit er beim Publikum blendend ankommt und für viele Lacher sorgt. Trotz seines beruflichen Erfolges steht die politische Entwicklung in Deutschland gegen ihn. Seine Werke werden 1933 verbrannt, und es treibt ihn ins schwedische Exil, wo er am 21. Dezember 1935 freiwillig aus dem Leben scheidet. Das Text-Musik-Programm der Künstler Roswitha Dasch und Ulrich Raue kombiniert auf eine abwechslungsreiche Weise gesprochene Texte mit einzeln und zu zweit vorgetragenen Chansons. In der Besetzung Gesang, Violine und Klavier zeigen die beiden Künstler Tucholskys Werk in allen Facetten und spiegeln eine Zeit des deutschen Kabaretts zwischen Agitation und Amüsement. Lassen Sie sich von diesen musikalischen Facetten einer ungewöhnlichen Zeit mitreißen