10.12.2016

Theater Talks: Der Geizige


Rainer Funk


Mit der Alternative „Haben oder Sein" plädierte Erich Fromm in den Siebziger Jahren für eine gesellschaftliche Neuorientierung. Immer mehr haben und konsumieren zu wollen, mache den Menschen abhängig und passiv und zerstöre die natürlichen Ressourcen. Es gehe darum, aus den eigenen Fähigkeiten zu schöpfen: selbst zu denken, zu fühlen und zu handeln. Zu leben heiße, von Innen heraus aktiv zu sein und das Leben zu teilen, statt es besitzen zu wollen. Etwas Ähnliches empfinden heute immer mehr Menschen: Sie wollen verbunden sein, dazu gehören und bei allem dabei sein. Orientieren sie sich am Sein? Oder nicht doch am Haben, wenn sie ohne digitale Technik, Internet und elektronische Medien nicht mehr leben können? Wer sich ohne Animation, Erlebnisse, Eventkultur und soziale Medien nicht mehr selbst spüren kann, orientiert sich offensichtlich am Haben. Die Alternative „Haben oder Sein" erscheint zwar heute in einem anderem Gewand, hat aber nichts an Aktualität eingebüßt.

Rainer Funk, Psychoanalytiker aus Tübingen, hat als Assistent von Erich Fromm die Entstehung des Buches  „Haben oder Sein" im Einzelnen mitverfolgt. Er versucht, die von Erich Fromm vor 40 Jahren formulierte Alternative in die Gegenwart zu übersetzen.