05.03.2017 | Spiegelhalle | 2:20H inkl. Pause

We have a situation here


Neil LaBute
Deutschsprachige Erstaufführung
REGIE: Johanna Wehner, Ingo Putz, Andreas Bauer, Neil LaBute; Szenische Einrichtung: Stefan Eberle


Das Ensemble des Theater Konstanz präsentiert vier unveröffentlichte Shortplays des amerikanischen Dramatikers Neil LaBute: In unterschiedlichen Situationen geht es um Leben und Tod: Als die Wahrheit auf den Tisch kommt, eskaliert in Furien die Aussprache zwischen Barry und seinem Freund. In Liebesdienst GmBH warten zwei Frauen auf eine Therapie ungewöhnlicher Art, während Hassverbrechen vom perfekten Mord handelt. Der Road-Movie als ur-amerikanisches Motiv entwickelt sich in Nach der Hochzeit zum Alptraum.

Neil LaBute, geb. 1963 in Detroit, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren weltweit. Nachdem erste Theaterstücke LaButes am Off-Broadway Premiere hatten, wurde er. mit seinen Filmen bekannt, zu denen »In the company of men« (1997 prämiert als Bester Film beim Sundance Film Festival ausgezeichnet als Bestes Debüt bei den New York Film Critics Award), »Your Friends & Neighbors« (1998), »Nurse Betty« (2000 Bestes Drehbuch bei den Filmfestspielen von Cannes) und »Besessen« (2002) gehören. 2011 wurde seine Triologie »bash - stücke der letzten tage« von der Zeitschrift Theater heute zum Besten ausländischen Stück des Jahres gewählt. Im Sommer 2014 leitete Neil LaBute das erste Internationale Autorenlabor am Theater Konstanz und inszenierte ebenda mit »Onkel Wanja« in der Spielzeit 2016/17 erstmalig in Deutschland.

 


Die vier Inszenierungen sind im Sommer entstanden, als LaBute in Konstanz mit dem Ensemble Tschechows "Onkel Wanja" probte. Mit dem innovativen Stadttheater am Bodensee verbindet den Weltstar eine längere Zusammenarbeit. [...]
Übersetzerin Kerstin Daiber kitzelt in den vier Texten stes auch die leichte, humorvolle Seite LaButes heraus. Ingo Putz klopft den text von "Nach der Hochzeit" mit den Schauspielern Laura Lippmann und Julian Härtner auf Tiefenschichten ab. Das tut er leise, behutsam. Gerade Putz liegt dieser Balanceakt in seiner Uraufführung. Das nächste Kurzdrama "Hassverbrechen" hat LaBute selbst in Szene gesetzt. Hinter der scheinbar heilen Fassade der USA spürt der in Detroit geborene Dramatiker, Film- und Theaterregisseur Unmenschlichkeit und sexuelle Unterdrückung auf. In einer Gesellschaft, die heute mehr denn je mit Prüderie protzt, eckt er damit an. [...]
Das gilt auch für "Die Furien", in Andreas Bauers Lesart ein groteskes Beziehungsdrama. [...] Grandios spielt der Regisseur mit LaButes pechschwarzem Humor.
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Die politische Kraft von LaButes Theater kommt in "Liebesdienst GmbH" am stärksten zum Tragen. Johanna Wehner, Oberspielleiterin am Theater Konstanz, porträtiert in ihrer Inszenierung zwei Frauen, die in weißen Bademänteln darauf warten, aufgerufen zu werden. [...] Vom belanglosen Gespräch denkt Wehner ihre spannungsgeladene Regie ins Politische weiter. In dieser Lesart kommt die Aktualität von LaButes Streiflichtern der amerikanischen Lügengesellschaft, deren Sprachrohr heute Präsident Trump ist, bitter zum Tragen.
Elisabeth Maier, Nachtkritik, 05.03.2017
Es sind vier Situationen, in die das Publikum hineingeschubst wird. Der Reflex, sie in den vertrauten Schubladen zu verstauen, wird mal für mal unterlaufen. Die Figuren selbst widersetzen sich, indem sich immer wieder Spalten öffnen, durch die sie ein Stück weit in ihr Inneres schauen lassen. Weit genug, um ihnen nicht über den Weg zu trauen.Maria Schorpp, Südkurier, 07.03.2017
Es sind durchweg höchst beunruhigende Blicke auf unsere Gesellschaft, die LaBute zeichnet. Hinter der Fassade partnerschaftlicher Zuneigung verbergen sich häufig die Risse von Gewalt, Exzess, Mitleidlosigkeit. [...] LaButes Stücke leben von der Inszenierungskunst, die Situationen nur anzuspielen. "Theater unplugged" für die insgesamt drei Schauspielerinnen und sechs Schauspieler. Ihrem Vermögen überantwortet LaBute die sprachliche Genauigkeit seiner ungeheuerlichen Skizzen. Dieses Vertrauen belohnt das Konstanzer Ensemble.Bodo Blitz, Theater der Zeit, April 2017