02.06.2017 | Werkstatt

Demandez au Président


Rafael David Kohn


szenische Lesung | Wiederaufnahme

Susanne Kirchhoff ist deutsche Kriegsreporterin und sitzt ohne Kontakt zur Außenwelt in einem Foltergefängnis in Burundi fest. In der täglichen Routine unzähliger Verhöre erkennt sie zunächst nicht, wem sie gegenüber sitzt. Auf seine Bitte hin interviewt Susanne ihren Peiniger, und versucht mit schmerzhaften Fragen dessen Weltbild ins Wanken zu bringen. Doch im Laufe der Gespräche beginnt die Journalistin vergangene Entscheidungen zu hinterfragen und muss mehr und mehr ihre eingesetzten Mittel rechtfertigen. Wo beginnt schuldhaftes Handeln? Heiligt der Zweck die Mittel? Was unterscheidet einen Visionär von einem Fanatiker? Und nicht zuletzt: wer instrumentalisiert hier wen?

Raphael David Kohns noch unveröffentlichtes Kammerspiel zeichnet ein differenziertes Bild der aktuellen Lage in Burundi. Der Text stellt die Frage nach dem Verhältnis von Macht und Moral und erkundet die Abgründe in den Menschen, die trotz bester Absichten zu Mittätern geworden sind.

Als Vorbild für die Figur des Präsidenten dient Autor Raphael David Kohn der burundische Präsident Pierre Nkurunziza. In Burundi, einem der kleinsten Staaten Afrikas, herrscht seit knapp zwei Jahren ein bürgerkriegsähnlicher Zustand. Burundi ist In Aufruhr, seit Präsident Nkurunziza im April 2015 ankündigte, für ein drittes Mandat anzutreten, obwohl die Verfassung Burundis nur zwei Amtszeiten vorsieht. Seitdem wurden bei Protesten und bewaffneten Auseinandersetzungen bislang mehr als 400 Menschen getötet, mindestens 230.000 flohen ins Ausland. Aber kaum etwas von diesen Informationen dringt nach außen.

Nach Lesungen im Rahmen der Finissage zur Burundi-Ausstellung der SEZ Baden-Württemberg im Landratsamt Konstanz sowie den Afrikatagen in Friedrichshafen am 20. Mai ist der noch unveröffentlichte Text des Luxemburger Autors Rafael David Kohn zum ersten Mal am Theater Konstanz zu sehen.

Im Anschluss an die Vorstellung am 6.Juni: Gesprächsrunde zur aktuellen Lage in Burundi


Auf Grundlage des Textes von Rafael David Kohn, der auf Basis seiner Recherchen ein eindrückliches und erschütterndes Werk über Zeitgeschichte geschaffen hat, rührte die authentisch verkörperte Darstellung des burundischen Präsidenten (Sebastian Haase) und einer verhafteten Journalistin (Katrin Huke) die wenigen Anwesenden teils sogar zu Tränen.Lena Reiner, Schwäbische, 21.5.2017