02.07.2017 | Werkstatt

Kleinstadtnovelle


Ronald M. Schernikau
REGIE: Moritz Beichl


was ist sinn und unsinn, was verstand und unverstand einer welt, die die normalste sache nicht erträgt und die statistisch unnormale schon gar nicht, für die scheißen zwischen zwei essensgängen unvorstellbar ist und zärtlichkeit absurd?

auf klassenfahrt in berlin beginnt b. eine affäre mit seinem mitschüler leif: jeden donnerstag treffen sie sich in b.s kinderzimmer, trinken orangensaft, schweigen sich an und schlafen miteinander. über monate schaffen sie sich eine welt voll nähe und zärtlichkeit, die jedoch in immer stärkerem kontrast zu leifs alltag steht: es kommt zum bruch.

schernikaus text hinterfragt, warum menschen ihre sexuellen bedürfnisse so bereitwillig den forderungen der gesellschaft anpassen. aus seiner novelle entwickelt sich ein lebendiger theaterabend mit politischer prosa und sensiblen dialogen.

Eine Produktion der Theaterakademie Hamburg

Der Kritiker seinerseits erwartet bei Mittzwanziger-Regiestudenten, dass bei dieser Auseinandersetzung eine Wunde aufbricht, er erwartet Wut, Gegen-den-Strich-Bürsten, Kampf mit dem Stoff. Also all das, was Moritz Beichl (Theaterakademie Hamburg) aus Ronald M. Schernikaus Ermächtigungserzählung "kleinstadtnovelle" macht – eine holpernde, ächzende Inszenierung, die sich durch die Prosavorlage kämpft, die nicht fertig wird mit ihrem Stoff, die leidet, und die am Ende lädiert, aber glücklich in den Trümmern ihres Konzepts steht. Theater, das endlich mal nicht schon von vornherein weiß, wo es hin will, wunderbar!Falk Schreiber, Nachtkritik, 19.06.2017
KOSTÜME: Astrid KleinDRAMATURGIE: Maximilian EnderleMIT: Alexander Angeletta, Sebastian Doppelbauer, Toini Ruhnke, Hanna Stange, Mervan Ürkmez