13.06.2017 | Werkstatt

Die bitteren Tränen


Rainer Werner Fassbinder


Wie inszenieren wir unsere Beziehungen? Können und dürfen wir die Tränen der anderen weinen? Und wie lässt sich ein Text, der von Angst, Abhängigkeit und Gewalt erzählt, so benutzen, dass man sich mit ihm wieder begegnen kann? Die Hamburger Regisseurin Leonie Böhm inszeniert mit ihrem vierköpfigen Ensemble eine Überschreibung von Rainer Werner Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant". In ihrer eigenen Sprache bringen die Akteure den Konkurrenzsituationen und sadomasochistischen Beziehungsdynamiken von Fassbinders Frauenfiguren eine neue Offenheit und Beweglichkeit entgegen.

Darf ich vielleicht deine bitteren Tränen für dich weinen, ja?

 


Leonie Böhm über ihre Inszenierungen

"In meiner künstlerischen Arbeit geht es viel um Kommunikation und zwischenmenschliche Nähe. In der Kunst kann man sich gemeinsam fragen: „Wie wollen wir eigentlich zusammenleben? Wie wollen wir unsere Gesellschaft und unser Leben gestalten? Was sind unsere Werte?" Für mich ist Theater ein Medium, das all diese Fragen untersuchen kann. In der künstlerischen Arbeit, die ich früher gemacht habe, ging es immer um die Suche nach dem Dialog auf Augenhöhe. Was für ein Raum entsteht eigentlich zwischen zwei Menschen, die sich treffen und was kann sich daraus entwickeln oder wie stiften sie zusammen die kleinste Form von Gesellschaft? Ich suche auch nach einer bestimmten Spielweise, die den Moment der Begegnung, auch dieser Gefährlichkeit, die Theater und jede Begegnung haben, ernst nimmt. Begegnungen haben ja was Gefährliches, wenn man sich in einen offenen, neugierigen Dialog miteinander begibt und nicht hinter den Rollenmustern versteckt. Im Alltag bewegt man sich unentwegt in sozialen Rollen und Theater ist ein Ort, an dem man sich von Inszenierungen befreien kann. Das Spielen selbst ist eine Möglichkeit, miteinander neue Zusammenseinsformen herauszufinden. Mich interessieren der lustvolle Spieler und dieses kommunikative Potenzial der Menschen, das sie miteinander ins Spiel geraten lässt. Man muss für jede Person den Rahmen schaffen, in dem das gelingt und jeder seine eigene Ausdrucksweise mitbringt."

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Radikal Jung_Leonie Böhm [PDF, 1137 kb]

Christine Wahl: Totale Enthemmtheit an total analogem Ort
Leonie Böhm erzählt über ihre Inszenierung "Nathan die Weise", die dieses Jahr zum Festival "Radikal Jung" am Münchner Volkstheater eingeladen wurde


KOSTÜME: Mascha Mihoa BischoffDRAMATURGIE: Susanne WagnerMIT: Sophie Krauss, Johanna Link, Juno Meinecke, Johannes Rieder