29.09.2017 | Stadttheater | 2:30 H inkl. Pause | Altersempfehlung +14

Der Meister und Margarita


Michael Bulgakow


In Moskau ist der Teufel los. Und da niemand mehr glaubt, ist es an ihm zu beweisen, dass Gott existiert. In Person des Schwarzmagiers Voland lehrt er die Städter das Fürchten und lässt sie an ihrer Wahrnehmung zweifeln. Gespenstische Ereignisse verwirren die Menschen und Behörden, Köpfe rollen und Grundannahmen werden ad absurdum geführt. Der unberechenbare Voland, einen höllischen Chaos-Trupp im Schlepptau, treibt es wild und entlarvt das obrigkeitshörige Bürgertum als verkommene Gesellschaft, deren Welt nichts ist als ein Apparat, der nur mittels Willkür, Korruption, Opportunismus und Denunziation funktioniert. In dem Klassiker der russischen Literatur steht Voland für Stalin. Der Meister, Autor eines unveröffentlichten Romans über Pontius Pilatus und Jesus, ist ein Alter Ego Bulgakows. Und Margarita sein weiblicher Gegenpart, der Opferbereitschaft und Liebe verkörpert. Alles dreht und verdreht sich um die Frage, ob es sie gibt, jene „Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft" und ob der satanisch agierende Voland eine Art Pontius Pilatus sein könnte, ein Werkzeug Gottes in Sachen Erlösung, zu der er dem Meister und seiner Geliebten am Ende verhilft.

Michail Bulgakows zwischen 1928 und 1940 entstandenes Meisterwerk ist eine fantastische Reise durch die inneren Welten des Zweifels, eine Streitschrift gegen die Feigheit, eine Satire auf das stalinistische Sowjetsystem, eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Sinn oder Unsinn von Kunst und der leidenschaftliche Aufruf, im Glauben die Kraft für den freien Gedanken zu finden.

Festzuhalten bleibt, dass dieser Theaterabend alle Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertrifft. Und dass all die wunderbaren Details, die noch gelobt werden müssten, in keine Kritik passen.Veronika Fischer, Kreuzlinger Zeitung, 06.10.17
Kein leichtes Unterfangen also, diesen Roman mit seinen vielen Handlungssträngen und -orten ins Theater zu übertragen. Aber ein Stoff wie geschaffen für das grandiose Bildertheater eines Andrej Woron, der die Konstanzer Bühnenmaschinerie zu bewegen weiß.Dr. Manfred Jahnke, Die deutsche Bühne Online, 30.9.17
Woron, der in Konstanz gut bekannte Allrounder, der auch für die Bühne verantwortlich zeichnet und in der Kostümbildnerin Hanna Sibilski eine verwandte Seele hat, kreiert wiederum ein Fest für die Sinne, ohne dabei den Verstand zu vernebeln.Brigitte Elsner-Heller, Thurgauer Zeitung, 2.10.17
Eine wilde metaphysische Schlacht, getragen von einem Ensemble, das Massstäbe setzt.Brigitte Elsner-Heller, Thurgauer Zeitung, 2.10.17
Eine große Freude ist es, Sebastian Haase zuschauen zu dürfen: wie er den „Meister“ genannten Dichter ganz und gar nicht meisterhaft über die Bühne stolpern lässt, ihn im Gegenteil als unsicheren, nach Worten und Erkärungen dürstenden Menschen zeichnet. Kaum weniger beeindruckend iat auch Laura Lippmann, die Margarita einen tiefen Glauben an diese Gestalt einschreibt. Auch Ralf Becj´kord kann überzeugen, gerade weil er seinen schwarzen Magier weitgehend frei von Klischees auf dem Grat zwischen Dies- und Jenseitigem anlegt.Johannes Bruggaier, Südkurier, 2.10.17

NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN


AUSSTATTUNG / BÜHNE: Andrej WoronKOSTÜME: Hanna SibilskiCHOREOGRAFIE: Zenta HaerterDRAMATURGIE: Thomas RegensburgerMIT: Laura Lippmann, Bettina Riebesel, Jana Alexia Rödiger, Sabrina Strehl, Sebastian Haase, Thomas Fritz Jung, Ralf Beckord, Jörg Dathe, Odo JergitschMUSIK: Torsten KnollWEITERE: Armin Peterka, Claudia Schiller, Carolin Schmelz, Elena Bulochnikova