01.10.2017 | Werkstatt | 1:15H ohne Pause | Altersempfehlung +14

Penthesilea


Frei nach Heinrich von Kleist


„Element! Was wollen diese Amazonen uns?" Die Griechen sind verblüfft. Unerwartet taucht das Heer der Amazonen, ein kriegerisches Frauenvolk aus Skythen, auf den Schlachtfeldern vor Troja auf. Doch zur großen Überraschung von Griechen und Trojanern eilen die Frauen keinem der beiden Kontrahenten zu Hilfe, sondern suchen ihre Gegner scheinbar willkürlich aus. Doch die scheinbare Willkür der Amazonen entspricht den strikten Gesetzen ihres Volkes: Um den Fortbestand ihres mühsam erkämpften Frauenstaates zu sichern, müssen die Kriegerinnen Männer im Kampf überwältigen, um sich mit ihren Gefangenen dann im Rosenfest vereinigen zu können. Der männerlose Amazonenstaat - einst entstanden als Antwort auf kollektive männliche Vergewaltigung - duldet Erotik nur als kurzfristiges Mittel zur Reproduktion. Verpönt und streng verboten ist auch die Liebe. Inmitten dieser zwei unterschiedlichen Gesellschaftssysteme treffen Achill, der strahlende Kriegsheld der Griechen, und die junge Königin Penthesilea aufeinander. Glück-schockhaft entdecken sie im andern und in sich selbst neue fremdartige Eigenart. Wie im englischen Ausdruck „Fall into love" impliziert, lassen sie sich fallen. Dabei fallen sie auch aus ihrer Gesellschaft und brechen alle Regeln.

Während bei Heinrich von Kleist die Kämpfe auf den blutigen Schlachtfeldern vor Troja stattfinden, verlegt Regisseurin Leonie Böhm die Kämpfe dorthin, wo wir sie tagtäglich ausfechten: in unsere Kommunikation. In ihrer Inszenierung ersetzt sie die Kleist'schen Botenberichte durch direkte Rede und stellt die Frage: Wie kann eine offene intensive Begegnung miteinander gelingen?

Darum geht es in dieser „Penthesilea“ als quasi ernster Kern. Wie sich zwei begegnen, nicht vom Kriegsgott Mars, sondern von Amor zusammengeführt, wie eine unschuldige Liebe sie befällt und wie die auf grausame Weise scheitert.Maria Schorpp, Südkurier, 5.10.17
Es ist erstaunlich, wie das Konzept von Leonie Böhm aufgeht. Obschon nur noch wenig Text von Kleist – „Bisse Küsse“ dürfen da nicht fehlen – geblieben ist, gelingt es vor allen Dingen Johanna Link, die Verse so zu sprechen, als kämen sie aus der Seele eines heutigen jungen Menschen. Erstaunlich auch, dass man in dieser spielerischen Übertragung, die sich auf die Beziehung zwischen Penthesilea und Achill konzentriert, von den Handlungspunkten nichts vermisst: die wichtigen Wendepunkte in dieser Beziehung, sie sind alle da.Dr. Manfred Jahnke, Die deutsche Bühne Online, 3.10.17
Gender muss nicht verbissen sein, sondern kann Spaß machen.Dr. Manfred Jahnke, Die deutsche Bühne Online, 3.10.17
Der Konflikt der Penthesilea, die zwischen ihrer absoluten Subjektivität und ihrer kulturellen Prägung durch die Gesellschaft der Amazonen zerrieben wird, spiegelt vor allen Dingen eine Lebensphase des Menschen wider, in der sich immer neu die Sehnsucht nach einer absoluten Liebe artikuliert: der Jugend. Genau hier auch setzt die junge Regisseurin Leonie Böhm „Frei nach Heinrich von Kleist“ an, die gerade Furore mit ihrer „Nathan“-Inszenierung auf dem Festival „Radikal jung“ machte.Dr. Manfred Jahnke, Die deutsche Bühne Online, 3.10.17

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AUSSTATTUNG / BÜHNE: Sören GerhardtKOSTÜME: Mascha BischoffDRAMATURGIE: Laura EllersdorferMIT: Johanna Link, Lukas Vögler, Tomasz Robak, Johannes RiederMUSIK: Johannes RiederWEITERE: Miriam Dold, Steven Draffehn, Franziska Schaden