20.04.2018

Mein Kampf


George Tabori
REGIE: Serdar Somuncu


In einem Wiener Männerasyl wohnen der Koch Lobkowitz alias Gott und Schlomo Herzl, ein fliegender Buchhändler, der seine Memoiren schreibt. Ihre Kraft für den täglichen Überlebenskampf ziehen sie aus der philosophischen Betrachtung, theologischen Auslegung und vergnügten Dekonstruktion einer Welt, in der sie nicht viel zählen. Als ein junger, aus Braunau am Inn stammender Habenichts namens Adolf Hitler auftaucht, empfangen sie den neuen Mitbewohner freundlich. Und trotz Gottes alias Lobkowitz Bedenken, umsorgt Schlomo Herzl den popelnden, deutlich bildungsfernen und völlig talentfreien Möchtegern-Kunstmaler aufopferungsvoll. Geduldig versucht er ihm Manieren beizubringen, Wortgewandtheit zu vermitteln und die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Doch seine Bemühungen fruchten nicht viel. Ausgestattet mit Herzls Mantel, einem neuen Schnauzbart und den besten Ratschlägen wird der an Verstopfung leidende Antisemit an der Akademie der Schönen Künste abgelehnt, bemächtigt sich des Titels „Mein Kampf", unter dem Herzls Memoiren erscheinen sollten und erregt damit keinerlei Aufmerksamkeit - bis die Frau Tod nach ihm sucht. Allerdings nicht, um Hitler den Garaus zu machen, sondern um ihn als „Naturtalent", als Täter mit Sense, als Würgeengel besonderer Größe zu casten. George Taboris 1987 uraufgeführte Farce vereint scharfsinnige Komik, untröstlichen Weltschmerz und unbeirrbare Menschenliebe zu einem Porträt der Banalität des Bösen und setzt diesem wie nebenbei den Reichtum jüdischer Geschichte, Kultur und Rhetorik entgegen.

George Tabori, 1914 geboren in Budapest, emigrierte 1935 nach London, arbeitete als Auslandskorrespondent in Sofia, Istanbul, Palästina sowie Ägypten und ging 1947 in die USA, wo er als Drehbuchautor für Hollywood arbeite, bevor er in den 70er Jahren nach Europa zurückkehrte, um hier einer der wichtigsten Theatermacher zu werden. Er starb 2007 in Berlin.

Serdar Somuncu, geboren 1968 in Istanbul, ist ein Schriftsteller, Kabarettist und Regisseur. Er inszenierte u.a. an den Schauspielhäusern in Bochum, Bremen und Oberhausen. Außerdem trat er als Schauspieler auf und übernahm Rollen in Fernsehserien, wie beispielsweise in Schwarz greift ein oder in Broken Comedy. Somuncu, der u.a. den Deutschen Literatur-Theater-Preis und den Prix Pantheon erhielt, inszeniert zum ersten Mal am Theater Konstanz.