• Startseite


09.12.2017 | Spiegelhalle | 2:15h ohne Pause

Nathan der Weise


Gotthold Ephraim Lessing


Der muslimischer Sultan Saladin braucht Geld, um Krieg zu führen. Ein christlicher Kreuzritter, den Saladin vom Todesurteil verschont hat, rettet das jüdische Mädchen Recha aus einem brennenden Haus. Rechas Vater Nathan ist vor allem reich, wird aber der Weise genannt. Durch die Verkettung von diesen Umständen und weiteren Zufällen prallen Weltreligionen und Vorurteile aufeinander, deren Überwindung für alle Vorteile bieten könnte. Regisseur Mark Zurmühle hinterfragt mit Lessings Klassiker der Aufklärung die Interessen, die hinter den Werten der Toleranz und Humanität stehen.

Mark Zurmühle war Schauspieldirektor am Theater Basel, am Nationaltheater Mannheim und am Staatstheater Hannover. Von 1999 bis 2014 war er Intendant des Deutschen Theater Göttingen. Seine freie Regietätigkeit führte ihn ans Maxim-Gorki-Theater in Berlin, ans Thalia Theater Hamburg und an das Schauspiel Frankfurt. Ab der Spielzeit 17/18 ist er Schauspieldirektor am Theater Konstanz.

 

Zurmühles Inszenierung überfällt das Publikum schier. Von Anfang an knallen die Ereignisse, die Texte und dann auch noch die Videowand, keine Ruhe nirgends. …Unter kaltem weiß-blauen Licht sind Menschen zu sehen, die eher Getriebene als Handelnde sind. …Immer wieder erstaunlich, was sich aus Lessings Text machen lässt, wenn man nur ein Vorzeichen anders setzt – aufklärerische Hoffnung durch krude Wirklichkeit ersetzt.Maria Schorpp, Südkurier, 12.12.2017
Johanna Links Recha zuzuschauen, ist wie in Zeitlupe einen Befreiungsschlag zu verfolgen. …Ganz in Existenzialisten-Schwarz gekleidet, besitzt sie die Radikalität, sich zumindest innerlich aus dem Spiel auszuklinken. …Johanna Link spielt ihre Rolle imponierend, gerade in ihrer Wut über die Verhältnisse.Maria Schorpp, Südkurier, 12.12.2017
Die Perspektivenwechsel sind nun nicht mehr räumlich vorgegeben, sie spielen sich in den von Lessing entworfenen Personen selbst ab. Wobei der Aufklärer Lessing auf Zufälle zurückgreift, die ein verwegenes verwandtschaftliches Geflecht offenbaren (wie für die genannten Religionssysteme postuliert). Da tut es doch gut, wenn die Personen differenzierter auf die Bühne kommen. … Den Schlusssatz ¬findet ein heutiger Nathan, ein Immer-noch-Weiser: «Dann lasst uns jetzt aufhören. Applaus!» Das lässt man sich gewiss nicht zweimal sagen.Brigitte Elsner-Heller, Thurgauer Zeitung und St.Galler Tagblatt, 16.12.17