10.03.2018

Ich rufe meine Brüder


Jonas Hassen Khemiri


Amor ist kein Terrorist. Auch wenn wir das glauben könnten. Amor ist schwedischer Student, bester Kumpel, hilfsbereiter Cousin und fürsorglicher Enkel. Er ist unschuldig. Auch wenn er selbst daran zu zweifeln beginnt, einen Tag nachdem in Stockholm eine Autobombe explodiert ist. Er bewegt sich durch die Stadt und geht möglichst unauffällig seinem Alltag nach. Aber wie sieht man aus, wenn man sich ganz normal verhält? Amor fängt an, sich selbst zu beobachten. Wütet da schon die Paranoia, oder ist die Stadt tatsächlich in Angst erstarrt? Wie gut, dass ihm seine Verbündeten, Pardon, seine Liebsten zur Seite stehen - zumindest am Telefon. So spricht er mit seiner Cousine in Tunesien, mit seiner Jugendliebe Valeria, sogar mit seiner Oma im Jenseits und schließlich auch mit Shavi, der schon eine Stunde nach dem Attentat gute Ratschläge für ihn hatte. Er ruft seine «Brüder», um sich zu vergewissern, wo die Grenze zwischen Täter und Opfer, Phantasie und Wirklichkeit verläuft. Ich rufe meine Brüder zeigt, wie brüchig diese Grenze ist und wie leicht sich die Blicke manipulieren lassen in einer kontrollierten Gesellschaft, die zwanghaft alles beobachten muss.

Jonas Hassen Khemiri

Geboren 1978 in Stockholm, Sohn einer Schwedin und eines Tunesiers, studierte Wirtschaftswissenschaften und Literatur in Parisund Stockholm. Seine Bücher erscheinen auch in Deutschland. Sein Debutstück Invasion! wurde in Stockholm uraufgeführt und erlebte neben zahlreichen Produktionen im deutschsprachigen Raum auch Produktionen in New York, London und Paris. Jonas Hassen Khemiri lebt in Stockholm.