10.03.2018 | Spiegelhalle | Altersempfehlung 14+

Ich rufe meine Brüder


Jonas Hassen Khemiri


Amor ist kein Terrorist. Auch wenn wir das glauben könnten. Amor ist normaler Student, bester Kumpel, hilfsbereiter Cousin und fürsorglicher Enkel. Er ist unschuldig. Auch wenn er selbst daran zu zweifeln beginnt, einen Tag nachdem ein LKW in eine Menschenmenge hineinfährt. Er bewegt sich durch die Stadt und geht möglichst unauffällig seinem Alltag nach. Aber wie sieht man aus, wenn man sich ganz normal verhält? Amor fängt an, sich selbst zu beobachten. Wütet da schon die Paranoia, oder ist die Stadt tatsächlich in Angst erstarrt? Wie gut, dass ihm seine Verbündeten, Pardon, seine Liebsten zur Seite stehen - zumindest am Telefon. So spricht er mit seiner Cousine in Tunesien, mit seiner Jugendliebe Valeria, sogar mit seinem Opa im Jenseits und schließlich auch mit Shavi, der schon eine Stunde nach dem Attentat gute Ratschläge für ihn hatte. Er ruft seine «Brüder», um sich zu vergewissern, wo die Grenze zwischen Täter und Opfer, Phantasie und Wirklichkeit verläuft. Ich rufe meine Brüder zeigt, wie brüchig diese Grenze ist und wie leicht sich die Blicke manipulieren lassen in einer kontrollierten Gesellschaft, die zwanghaft alles beobachten muss.

Jonas Hassen Khemiri ist 1978 in Stockholm als Sohn einer Schwedin und eines Tunesiers geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Literatur in Paris und Stockholm. Khemiri schreibt Romane und Theaterstücke, die in zahlreichen Sprachen übersetzt sind. Ich rufe meine Brüder erlebte neben vielen Produktionen im deutschsprachigen und skandinavischen Raum auch Produktionen in den USA, Australien, England, Frankreich, Spanien und Belgien. Jonas Hassen Khemiri lebt in Stockholm.

 

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