02.06.2018

Die Jungfrau von Orleans


Friedrich Schiller


Das Stück beginnt mit der jugendlich-anmaßenden Zuschreibung einer neuen Identität.Anstatt sich verheiraten zu lassen, fühlt Johanna, Tochter des reichen Bauern Thibaut d'Arc, sich von Gott persönlich berufen, das Landleben in den Bergen aufzugeben und als heilige Jungfrau in den Kampf zu ziehen. In Frankreich tobt der Hundertjährige Krieg, die englischen Truppen haben bereits weite Teile des Landes erobert. Der schwache König Karl ist schon entmachtet, der Krieg scheint verloren. Da erfolgt durch das Erscheinen der Heiligen Johanna die wundersame Wendung des Krieges. Sie wird zur religiösen Ikone und zu dem Symbol einer wieder erstarkenden Nation. Schiller lässt seine Heldin schließlich am Konflikt von charismatischer Mission und der erwachenden Leidenschaft einer jungen Frau zerbrechen . Seine Tragödie der Gotteskriegerin Johanna zeigt sie als aktive Täterin, die sich selbst zum Instrument macht und schließlich von ihrem Vater zu Fall gebracht und von der Gesellschaft zunächst geopfert, dann zum Nationalmythos verklärt wird.

Friedrich von Schiller (1759-1805), war ein deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker, Lyriker und Essayisten. Gleich mit seinem Theaterdebüt, dem 1782 uraufgeführten Schauspiel Die Räuber, gelang Schiller ein bedeutender Beitrag zum Drama des Sturm und Drang und der Weltliteratur. Er war durch Geburt Württemberger, wurde später Bürger von Sachsen-Weimar und später zusätzlich französischer Staatsbürger.