14.10.2018 | Stadttheater

PRO.LOG




Am Sonntagvormittag um 11.00 Uhr halten kompetente LiteraturwissenschaftlerInnen der Universität Konstanz einen Vortrag über ein Schauspiel, das vor wenigen Tagen Premiere hatte. Im zweiten Teil der Veranstaltung erläutern DramaturgInnen und SchauspielerInnen des Theaters ihre Lesart des jeweiligen Stückes. Neben der Qualität der Referate schätzen die Zuhörer besonders die Äußerungen der Schauspieler zu ihren Rollen, etwas, was sie sonst nicht erleben. Sehr wichtig ist uns die anschließende Diskussion aller Beteiligten. Diese Sonntagseinführungen sollen auch junge ZuschauerInnen auf das Theater neugierig machen und ihnen einen Zugang zu zeitgenössischer Theaterarbeit vermitteln. Dieses Format ist trotz des Termins am Sonntagvormittag gut eingeführt und wird von 40 - 80 Personen regelmäßig besucht.


Pro.Log 14.10.2018, Prof. Dr. Christina Wald (Englische Literaturwissenschaft)

„Es geschieht nichts. Keiner kommt, keiner geht, es ist schrecklich," beklagt sich der Landstreicher Estragon gegenüber seinem Begleiter Wladimir - und in der Tat besteht das Dasein der beiden Protagonisten in Warten auf Godot aus einem Dauerzustand des Wartens. Beständig getragen von der Hoffnung auf die Ankunft Godots vertreiben sich Didi und Gogo die Zeit mit Reden und Spielen, doch Godot erscheint bis zum Ende des Dramas nicht.

Die Uraufführung von Warten auf Godot im Jahr 1953 löste einen Theaterskandal aus und revolutionierte in der Folge das moderne Drama. Durch einen radikalen Bruch mit Dramenkonventionen stellt Beckett zentrale Kategorien des Theaters - insbesondere die Handlung als Basis der Figureninteraktion, die Funktion von Sprache als zwischenmenschliches Kommunikationsmittel sowie die Zeit als sinnstiftende Instanz - infrage. An ihre Stelle treten Sprachspiel, Wiederholung und Zirkularität - ein Stil, der sich im weiteren Schaffen des irischen Dramatikers zuspitzen wird.

Wie alle Werke Becketts stellt Warten auf Godot Theaterschaffende, Zuschauer und die Wissenschaft vor Fragen: Wer ist Godot und was erhoffen sich die Figuren von ihm? Welchen Reiz soll es haben, Figuren beim unerfüllten Warten zuzusehen? Sollen wir den Zustand des Wartens als existentialistische philosophische Haltung im Sinne von Sartre und Camus verstehen, als Kommentar zur conditio humana? Geht es um eine Erprobung der Möglichkeiten des Theaters selbst?

Diesen Fragen wird sich der Pro‘log widmen.