19.10.2018 | Stadttheater | 2:15h inkl. Pause

Von Mäusen und Menschen


Schauspiel nach John Steinbeck


George und Lennie sind einfache Wanderarbeiter. Sie ziehen von einer Arbeit zur Nächsten. Sie sind wie viele besitzlose Menschen auf der Suche nach einer Heimat, einem Stück Boden, auf dem man sesshaft werden kann, wofür es sich zu arbeiten und zu leben lohnt. Das ungleiche Paar verbindet eine tiefe, wenn auch problematische Freundschaft: George muss das Denken und Reden für Lennie übernehmen, der zwar bärenstark aber geistig zurückgeblieben ist. Ein großes Problem ist, dass Lennie seine eigene Kraft nicht einschätzen kann. In seiner kindlichen Grobheit zerstört er immer wieder die Dinge, die er liebt. Mäuse, Hundewelpen sterben unabsichtlich unter seinen zupackenden Händen. Als sie eine neue Stelle antreten, scheinen sie endlich auf dem richtigen Weg, doch als Lennie eines Tages alleine auf die schöne Frau seines neuen Chefs trifft, bahnt sich eine Katastrophe an...

John Steinbecks Romanklassiker „Von Mäusen und Menschen" ist eine zeitlose Parabel über Freundschaft und das Scheitern von Lebensträumen. Der Roman wurde 1937 veröffentlicht und später für das Theater dramatisiert. 1962 wurde Steinbeck für seine Sozialkritik in seinem literarischen Schaffen und für seine realistische und bildhafte Sprache mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Im Industriestädtchen Singen, in dem Danquart selbst aufwuchs, ist die Migration seit Jahrzehnten präsent. Man erkennt die Umgebung am grossartigen Bühnenbild: Der Singener Bahnhof und der Hohentwiel zeichnen sich im Hintergrund ab, der wie von Zauberhand seine Farblichkeit wechselt und somit malerische Stimmungen schafft (Bühnenentwurf: Theresia Anna Ficus, Umsetzung: Anita Könning). Steinbecks Moral ist also auch hier gültig, denn es ist eine Geschichte von Aussenseitern, die in der Gesellschaft keinen Platz finden.Veronika Fischer, Saiten, 22.10.18
Sebastian Haase bringt diese Figur mit unheimlich viel Empathie und Einfühlungsvermögen auf die Bühne und zeigt dabei die Kunst, einen Schwachen darzustellen ohne ihn schwach wirken zu lassen – wunderbar!Veronika Fischer, Seemoz, 23.10.18
Vladimir Pavic stattet Kandic in schlüssiger Weise mit der Melancholie eines desillusionierten Arbeiters aus.Johannes Bruggaier, Südkurier, 23.10.18
Klatschen, Stampfen, Johlen: Sebastian Haase bekommt den stärksten Premierenapplaus. Verdient, denn er hat den Lennie so wunderbar gespielt: tapsig und stotternd, offenherzig und verwundbar.
… Der bärenstarke, aber geistig zurückgebliebene Lennie braucht den kleinen, gewitzten Georg (sehr intensiv und glaubhaft: Ingo Biermann).
… Danquart ändert die Figuren nur leicht: Candy wird zu Kandić (stark: Vladimir Pavic), der Nigger Crooks bleibt Crooks und stammt nun aus Malawi (rührend: Robert Magasa). Der vermittelnde Vorarbeiter Slim heisst Fritz (fürsorglich: Raphael Westermeier), Direktorsohn Cornel wird zum Würstchen (genügend steif: Florian Rummel), seine Frau Erika erhält den Namen, auf den Steinbeck verzichtet hatte (souverän naiv: Jana Alexia Rödiger), und Carlson wird zu Karl (wuchtig: Thomas Fritz Jung).
Dieter Langhart, Thurgauer Zeitung/ St.Galler Tagblatt, 21.10.2018

Im gespräch mit Regisseur Didi Danquart

MUSIKALISCHE LEITUNG: Cornelius SchwehrAUSSTATTUNG / BÜHNE: Theresia Anna Ficus (Entwurf), Anita Könning (Umsetzung)KOSTÜME: Anita KönningDRAMATURGIE: Anna-Lena KühnerMIT: Jana Alexia Rödiger, Ingo Biermann, Sebastian Haase, Thomas Fritz Jung, Vladimir Pavic, Robert Magasa, Raphael Westermeier, Florian RummelWEITERE: Bernd Oßwald, Carla Seibert, Nussaiba Awad, Rabea Schubert, Laura Fritzer, Andree Kruse, Maria Gierich, Silke Schneider