20.10.2018 | Werkstatt | 1:00h ohne Pause

Eine Art Liebeserklärung


Monolog von Neil LaBute


Verpassen Sie nicht diese beunruhigende Liebesgeschichte, in der sich die verdrängte Schuld gnadenlos ihren Weg ans Licht bahnt.

Faye ist glücklich mit Eric verheiratet. Es ist vielleicht nicht die spannendste Ehe überhaupt, vielleicht ist auch der Sex nicht der beste, aber in welchen Beziehungen ist das nach einigen Jahren eigentlich der Fall? In der ansonsten sehr respekt- und liebevollen Ehe, fehlt eines: ein Kind. Und da ist noch dieser junge Schüler Tommy, der Fayes Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Nach dem erfolgreichen Abend We have a situation here in der Spielzeit 16/17 kehrt nun Neil LaBute mit einem Stück über unmögliche Liebe ans Theater Konstanz zurück. Dabei wirft er nicht nur Fragen zu den persönlichen Konsequenzen einer Affäre auf, sondern beschäftigt sich mit der Machtproblematik einer Beziehung zwischen Lehrerin und Schüler und dem unterschwelligen Rassismus unserer anscheinend aufgeklärten Gesellschaft.

Die Konstanzer Inszenierung nimmt das Paradox ernst, dass Fayes Lüge in ihrer Ungeheuerlichkeit unerzählbar bleibt – sie sich aber dennoch ihre Geschichte von der Seele redet. Simmering meistert diesen Balanceakt grandios.
…Spätestens mit dieser Wandlung gelingt Anne Simmering das Kunststück, die Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Vorwerk vertraut auf die Kraft des Schauspiels. Das kann er auch: Simmering gibt Faye so überzeugend, dass der erzählte Verrat am Ehemann Eric wie ein Moment größter Authentizität erscheint.
…Fayes Lüge hat ihren Preis. In der Nüchternheit dieser Erkenntnis gewinnt Anne Simmering tragische Größe.
Bodo Blitz, Theater der Zeit, Dezember 2018
Und während die ausdrucksstarke Anne Simmering als Faye die in Soul geborgene Trauer noch selbst intoniert, ist diese Stimme nach einer Stunde mit der Anleihe bei der liebend mordenden Salome versiegt, die grosse Oper kommt als kurzer, schmerzlicher Stich aus dem Off. Mit «Eine Art Liebeserklärung» hat Neil LaBute ein weiteres Mal die tausend Schattierungen thematisiert, die sich in zwischenmenschlichen Beziehungen zeigen – vor allem auch in der Liebe, die gleichzeitig schützt und schutzlos macht.Brigitte Elsner-Heller, St.Galler Tagblatt Online, 21.10.18
Anne Simmering füllt den Abend mühelos. Sie findet die Nuancen, um in der Schwebe zu halten, welches Urteil man fällen soll über dieses Leben und auch das der anderen. …sie vermag es auch ohne technische Verbrämung voll und ganz da zu sein. Dazu kann schon reichen, dass sie sich einfach durchs Haar streicht.Brigitte Elsner-Heller, St.Galler Tagblatt Online, 21.10.18
Wie grundlegend Regisseur Oliver Vorwerk diese Figur angelegt hat, mag daran abzulesen sein, dass er am Ende Richard Strauss‘ Salome erklingen lässt, eine der abgrundtiefsten weiblichen Rollen überhaupt. Und es passt. Neil LaButes Shortplay mit dem Titel „Eine Art Liebeserklärung“ häutet sich in dieser Inszenierung, bis das pure Fleisch zu sehen ist.
…Auch um diese Salome in den Griff zu bekommen, das ungebändigte Wesen, das kurzzeitig zum Vorschein kommt, bevor Scham und Schuldgefühl es wieder zudecken. In der Werkstatt gibt ihm Anne Simmering eine beachtliche Tiefenschärfe.
Maria Schorpp, Südkurier, 23.10.18

Faye erzählt von verschiedenen Formen des Liebens, und es ist erstaunlich, wie präzise LaBute dabei die weibliche Perspektive trifft. Schauspielerin Anne Simmering legt mit diesem Monolog einen Seelenstriptease hin. Ein gelungener Einstand als neues Ensemblemitglied.Veronika Fischer, Schwäbische Zeitung, 23.10.2018

NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN


AUSSTATTUNG / BÜHNE: Christine BertlDRAMATURGIE: Miriam FehlkerMIT: Anne SimmeringWEITERE: Hannah Albrecht, Rabea Schubert, Tanja Hasslinger, Lorenz Leander Haas, Dennis von der Bey