03.11.2018 | Werkstatt | 1 Stunde ohne Pause

Der Reichsbürger


Monolog von Annalena und Konstantin Küspert


Sie sind mitten unter uns, sie sehen aus wie jeder andere, verhalten sich zumeist wie jeder andere, und doch sind sie nicht wie jeder andere. Sie sind Reichsbürger, also Menschen, die die grundgesetzliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland ablehnen. In ihrer Denkwelt wurde das Deutsche Reich nie aufgelöst, Deutschland ist weiterhin ein besetzter Staat und sie selbst sehen sich in der Rechtsnachfolge des Kaiserreichs. Konsequenterweise lehnen sie deutsche Gesetze ab, zahlen keine Steuern und stellen eigene Pässe und Dokumente aus. Was soweit nach schrulligen Sonderlingen klingt, wurde 2016 im fränkischen Georgensmünd bitterer Ernst, als ein bewaffneter Reichsbürger auf Polizisten schoss. Bei Reichsbürgern wurden mehrfach Waffen und sogar Sprengstoff gefunden. Sie stellen mitunter auch eigene Polizeieinheiten auf und fördern so den Nährboden für ausgrenzendes und oft antisemitisches Gedankengut.

Annalena und Konstantin Küspert beleuchten die Psyche eines Reichsbürgers, verfolgen die Gedanken und Hintergründe und fragen vor allem: Wie viel Reichsbürger steckt in uns?

In der Konstanzer Theater-Werkstatt traf der Monolog, der die Psyche des schrulligen Querulanten und verrückten Sonderlings ausleuchtet ins Schwarze. Das Stück von Annalena und Konstantin Küspert zeichnet den Prototypen „Reichsbürger“ und bleibt doch nahe an der blutigen Realität.
…Minutenlanges Schweigen im Publikum, das muss man erst einmal verdauen, bevor stürmischer Applaus für Schauspieler Ralf Beckord und das Produktionsteam losbricht…
…Das ist Theater am Puls der Zeit. Denn etliche echte Reichsbürger wohnen hier, direkt in unserer Nachbarschaft.
Veronika Pantel, Südkurier, 6.11.2018

Treffen. Zuhören. Berichten. Lutz Rauschnick trifft „Reichsbürger"-Regisseur Wolfgang Hagemann

Die „Reichsbürger" zu inszenieren in Konstanz - wolltest du das? Nein, die Entscheidung hat das Theater getroffen, die ja den Spielplan machen, schauen, wann welche Schauspieler Zeit haben. Wenn das alles steht, werde ich angerufen, ob ich Zeit habe, es machen möchte und die Gage stimmt. Ich war gerade hier und arbeitete an „Du bist meine Mutter" und konnte so das Stück gleich mal lesen. Dann sieht man schnell, ob da irgendetwas ist, was einen anspringt. Da ich das Thema interessant finde und das Stück dazu passt, habe ich sofort ja gesagt.  Das Haus entscheidet auch über den Schauspieler, habe gelegentlich Mitspracherecht. Aber ich gehe davon aus, dass sie sich was dabei gedacht haben, ich muss mich darauf verlassen können. Kann ja auch nicht vorsprechen machen, wer ist der beste Reichsbürger.

 Hier geht's zum ganzen Interview.

 

NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN


AUSSTATTUNG / BÜHNE: Wolfgang HagemannKOSTÜME: Elias KremerDRAMATURGIE: Dorothea Jüttner, Daniel GrünauerMIT: Ralf BeckordWEITERE: Armin Peterka, Elias Kremer, Annika Stross, Dennis von der Bey