10.02.2019 | Spiegelhalle | 1:30H ohne Pause | Altersempfehlung 8+

King A


Ode an jedes Ritterherz von Inèz Derksen
REGIE: Ingo Putz


Für das Gute eintreten, mächtig sein, Mut haben, Abenteuer bestehen, um die Ehre kämpfen, treu sein, bewundert werden - was macht einen Ritter oder eine Ritterin aus?

Fünf Schauspieler*innen spielen und kämpfen um ihre jeweilige Vorstellung vom Rittersein. Dann zieht Artus das Schwert aus dem Stein! Er wird König, will es zunächst aber gar nicht sein. Die Anderen reden ihm zu, geben ihm Tipps, jeder mit eigenen Ideen und Interessen. Aber was ist gut für das Land? Was ist richtig für alle Menschen? Artus entwickelt seine eigene Vision: Eine bessere, friedlichere, gerechtere Welt soll es sein. Er setzt alle an einen runden Tisch, die Tafelrunde, an der kein Platz sein soll für den eigenen Vorteil, für Neid und Korruption. Die Schwerter beiseitelegen und miteinander diskutieren - das ist sein neuer Weg.

Aber Gwinnifer, seine Frau, verliebt sich ausgerechnet in seinen besten Freund Lanzelot. Kann er das Liebespaar an der Tafelrunde ertragen oder greift er wieder zum Schwert? Zerstört der persönliche Schmerz seinen Traum?

Die niederländische Autorin, Regisseurin und Theaterleiterin Inez Derksen hat mit ihrer 2002 uraufgeführten Überschreibung der Artussage für viel Furore gesorgt. An zahlreichen Theatern im In- und Ausland begeisterte die Mischung aus Action, Humor und Hintersinn junge Zuschauer*innen.

Eine der großen Stärken der Inszenierung besteht darin, vorzuführen, wie sich eine Szene aufbaut, bevor sie dann voll in das Spiel integriert wird: Man sieht Vorbereitung und Durchführung – und das bei einem Ensemble mit hohem Spieltempo, artistischer Körperlichkeit, starker Kraft und parodistischem Witz. Was da im ersten Teil – Einführung in die Handlung und in die Frage, was ein Ritter sei und was ein entsprechendes Training – stattfindet, ist überzeugend. Sven Reiner hat sehr akrobatische Kampfszenen geschaffen, in denen Antonia Jungwirth mit zwei Kurzschwertern brilliert.
…Axel Julius Fündeling spielt diesen Kai als fiesen Scharfmacher, Peter Posniak einen sensiblen Lancelot, der am liebsten flüchten möchte, Georg Melich einen Merlin, der mehr beobachtet als eingreift und Arlen Konietz einen Artus, der eigentlich bis zum Schluss kein König sein möchte und an der royalen Bürde fast zerbricht.
Manfred Jahnke, Die deutsche Bühne online, 11.2.19
King A ist ein Jugendstück, das zeigt, was passiert, wenn Gefühle sich tugendhafter Regeln entziehen. Gwinnifer und Lanzelot sind Artus‘ beste Freunde. Werden sie einen Weg finden sich zu lieben ohne ihren Freund zu verlieren? Artus muss sich entscheiden, ob die Tafelrunde auch über persönliche Befindlichkeiten hinaus Bestand hat und so wird die edelste aller ritterlichen Tugenden die Bereitschaft anderen zu verzeihen.Lea Lynn Asiklar, QLT Online, 19.2.19
…im Zentrum ein Karussell, das schon bessere Zeiten gesehen hat, aber gerade deshalb den Charme einer Art außerterritorialen Zwanglosigkeit versprüht (Ausstattung Marie Labsch). Hier kann man ausprobieren, etwas wagen und schauen, was dabei herauskommt.
…Arlen Konietz zeigt, wie einer daherkommt, der Zweifel hat und trotzdem stark ist. Eben weil er zweifelt. Sich das anzuschauen, könnte sich auch für Menschen lohnen, die weit über die acht Lenze zählen, die das Theater als Mindestalter empfiehlt.
…Axel Julius Fündeling spielt diesen Typen frisch und fröhlich, nicht als Fiesling. Das Potenzial, alles in die Luft fliegen zu lassen, ist ihm trotzdem anzumerken.
…Großartige Idee, wie in der Spiegelhalle die Hofschranzen der Macht, diese Lobbyisten des gesellschaftlichen Ist-Zustandes, dahocken. Mit ihren hohen spitzen Hüten, unter denen ihre menschliche Zwergenhaftigkeit gen Himmel wächst. Klasse Szene für Antonia Jungwirth, Axel Fündeling und Peter Posniak.
…Richtig gut ist, wie differenziert diese Episode im Stück verhandelt wird, wie Arlen Konietz, der den Schauspieler spielt, der den König gibt, hier beide Rollen zusammenführt, wie man merkt, dass hier einer in vollster Übereinstimmung mit sich selbst handelt, indem er zu verzeihen wagt. Wie hier auch zwischen Liebe und Verliebtsein unterschieden wird, wie menschliche Konstanten klar zutage treten. Es geht ums Ganze, darum, wie das Utopie-Experiment endet.
…Das Premierenpublikum zeigte sich höchst angetan von dieser sehr klugen und witzigen Produktion des Jungen Theater.
Maria Schorpp, Südkurier, 12.2.19

Die Vormittagsvorstellungen sind Schulvorstellungen. Je nach Verfügbarkeit sind auch Einzeltickets an der Theaterkasse erhältlich.