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12.04.2019 | Stadttheater | 2:50h inkl. einer Pause | Altersempfehlung 14+

Cabaret


Musical - Buch von Joe Masteroff nach dem Stück „Ich bin eine Kamera“ von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood; Musik von John Kander, Gesangstexte von Fred Ebb


Wie keine andere Zeit stehen die wilden Zwanziger für ein Leben im Moment, ein Reich des Möglichen, die Magie des Aufbruchs. Immer dabei auch die Fratze der Armut, des Hasses, der Restriktion. Cabaret ist ein musikalischer Bilderbogen Berlins am Ende einer Epoche, der vom zwielichtigen Nachtclub-Conferencier bis zur Pensionswirtin, vom Tingel-Tangel-Star bis zum jüdischen Gemüsehändler reicht.

Silvester 1929: Die braunen Schatten werden immer größer und gleichzeitig tanzt man im Kit-Kat-Club alles, was Mode ist. Cabaret-Star Sally Bowles genießt die Liaison mit dem schüchternen Cliff, der aus den USA angereist, über das „Roaring Berlin" staunt. Dann die Katastrophe: Kündigung, improvisiertes Überleben in einer Pension, Sally treibt ab, die ersten Fensterscheiben splittern - die Nazis sind da. Cliff verlässt Berlin - ohne Sally, die daran glaubt, auch in Zukunft als umschwärmtes Showgirl die Welt außerhalb der Bühne vergessen zu machen.

Willkommen, bienvenue, welcome beim Tanz auf dem Vulkan.

…Anne Simmering, die ihrer Sally Bowles nicht nur ein ungewohnt blondes Haupt gibt, sondern auch einen schrill-verspielten Charakter, der ihre innere Zerrissenheit umso deutlicher macht. Und natürlich durch ihre ausdrucksstarke Stimme, die jeden ihrer Songs mit einem Gänsehaut Feeling versieht.
Großartig auch Carl Friedrich Oberles Bühnenbild…
Rolf-Ruediger Hamacher, musicals Das Musical-Magazin, Juni/Juli 2019
Darstellerisch begeistern vor allem Katrin Huke als pointiert agierende Frau Schneider, Arlen Konietz mit der besten Gesangsleistung des Abends in der Rolle des Clifford Bradshaw und auch die sehr präsente Nike Tiecke in der kleineren Partie der Prostituierten Fräulein Kost. Anne Simmering als Sally Bowles gestaltet die Hauptrolle als einerseits nach Ruhm strebende und sich andererseits nach Geborgenheit sehnende Künstlerin. Weder das eine noch das andere findet sie. Entsprechend subtil wirkt die Interpretation der Figur. Trotz einiger Hits, die sie im Musical zum besten geben darf, mutiert sie nicht zum dominierenden Star des Abends, sondern fügt sich als wichtige Stütze in das höchst motivierte Ensemble ein. Ingo Biermann scheint als Conférencier von Anfang bis Ende die Fäden zu ziehen und hinterlässt den stärksten Eindruck des Abends.Marc Rohde, Online-Merker, 14.4.19
…Nachtclubsängerin Sally (enorme Bühnenausstrahlung: Anne Simmering)…
Die Verlobungsszene im Obstladen gehört zu den stärksten in der von Rosamund Gilmore inszenierten Produktion.
…Dass Gilmore eigentlich vom Tanz kommt, ist allenthalben zu spüren. Die Choreografien sind mitsamt der liebevollen Ausstattung und den vielfältigen kostümen (Carl Friedrich Oberle) eine große Stärke der Inszenierung.
Elisabeth Schwind, Südkurier, 15.4.19
Ausstatter Carl Friedrich Oberle hat alles aus der kleinen Bühne des Theaters herausgeholt. Auf mehreren Ebenen wird diese bespielt, wird in Sekundenschnelle zum Kit-Kat-Club oder zum Pensionszimmer. Auch die Kit-Kat-Band (herrlich: sieben Herren in Frauenkleidern der 1920er-Jahre) findet auf der Seitenbühne Platz.
…Rosamund Gilmores Inszenierung verzichtet auf üppigen Musicalkitsch. Sie lässt Platz für die leisen Töne und schafft mit herausragenden Darstellern eine einfühlsame Geschichte. Anne Simmering überzeugt mit ihrer unverfälschten ehrlichen Stimme und ihrem grossartigen Schauspiel.
…Auch Katrin Huke gibt Fräulein Schneider überzeugend, mit der vorgetäuschten, etwas schnoddrigen Art und in breitestem Berliner Dialekt. Ihren weichen, sensiblen Kern zeigt sie nur Herrn Schultz gegenüber. Rosamund Gilmores Inszenierung verzichtet auf üppigen Musicalkitsch. Sie lässt Platz für die leisen Töne und schafft mit herausragenden Darstellern eine einfühlsame Geschichte. Anne Sinmmering überzeugt mit ihrer unverfälschten ehrlichen Stimme und ihrem grossartigen Schauspiel.
Mirjam Bächtold, St.Galler Tagblatt/Thurgauer Zeitung, 16.4.19
Genau diesen Spaßfaktor betont der Conférencier des Kit-Kat-Klubs (Ingo Biermann stellte erneut sein Gesangstalent unter Beweis), wenn er die Gäste zur allabendlichen Show begrüßt: „Bei uns ist alles wunderschön!“ – die Girls, die Gäste und das Leben selbst. Bei der Silvesterparty 1929/30 sind noch alle willkommen im Cabaret. Auch der von einer Schreibblockade geplagte amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw, mit einer tollen Singstimme verkörpert durch Arlen Konietz, stürzt sich – eben erst in Deutschland angekommen – in das vielbesungene Getümmel des Berliner Nachtlebens – bunt und schillernd wie die Kostüme der Kit-Kat-Klub Girls (Ausstattung mit viel Liebe zum Detail und einem Gespür für die Epoche: Carl Friedrich Oberle). Sein neuer und erster deutscher Freund Ernst Ludwig (Peter Posniak), der Vorname wird später noch Programm, hat ihm den Klub empfohlen und eine Bleibe verschafft; bei Fräulein Schneider (Katrin Huke), einer in die Jahre gekommenen und dennoch sehnsuchtsvollen Pensionswirtin, die das 100-Mark-Zimmer auch für 50 Mark vermietet („Kommse, kommse!“). Katrin Huke zieht das schroff und ehrlich klingende Berlinerisch bis zum Ende durch, ebenso wie die gesanglich feinfühlige Interpretation ihrer starken und zugleich verletzlichen Rolle.
…Die Inszenierung arbeitet die Widersprüche dieser Zeit zwischen Realität und Wunschtraum schauspielerisch (Sorglosigkeit vs. Existenzängste), choreografisch und musikalisch (Swing vs. Marschmusik) sowie bühnenbildnerisch (Leuchtreklame vs. Hakenkreuze) geschickt heraus. Besonders bemerkenswert sind dabei die im Vergleich zu größeren Häusern an sich knappen Personalressourcen, aus denen das Konstanzer Theater alles rausholt und dabei Großartiges leistet (ein siebenköpfiges Orchester und ein sechsköpfiger Chor!). Viele Figuren des Stücks haben zwei Seiten, wie der Star des Kit-Kat-Klubs Sally Bowles (hervorragender Gesang und Körpereinsatz: Anne Simmering)…
Franziska Spanner, seemoz, 16.4.19