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04.05.2019 | Werkstatt | 1:30h ohne Pause

Ich verschwinde


Schauspiel von Arne Lygre, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
Deutschsprachige Erstaufführung


Am Rande einer Katastrophe versuchen einige Figuren ihrem eigenen Elend zu entfliehen. Dabei spiegeln sie sich in Situationen und Schicksalen Anderer, deren Not sie sich vorstellen und sprachlich erst erschaffen. Der norwegische Erfolgsautor Arne Lygre setzt mit Ich verschwinde, das 2013 den Ibsenpreis gewann, auf den Kern des Theaters - die Sprache - und entwickelt ein komplexes Stück über die unsichtbaren Verbindungen der Menschen im Zeitalter existentieller Erschütterungen.

Heimat: Eine Frau sitzt in ihrem Haus und erzählt von den alltäglichen Dingen ihres Lebens, von ihrer Verbundenheit mit diesem Ort. Noch einmal führt sie sich diese vor Augen, bevor sie vergangen sein wird, denn sie muss fort. Die Freundin kommt dazu. Gemeinsam warten die beiden Frauen auf zwei weitere Angehörige. Die Tochter der Freundin trifft ein, der Ehemann bleibt jedoch verschwunden. Am nächsten Morgen brechen die drei Frauen auf, fahren mit dem Auto, bis es nicht weiter geht, laufen zu Fuß zur Küste und sehen zu, wie andere schwimmend versuchen, die Insel zu erreichen. Ich verschwinde erzählt rätselhaft und hintergründig davon, dass die Menschen in einem Boot sitzen und gemeinsam unterwegs sind. Ob sie wollen oder nicht.

Das Theater Konstanz zeigt eine eindringliche deutschsprachige Erstaufführung.Karin Wehrheim, SWR2 Journal am Mittag, 6.5.19
Jochen Diederichs (Ausstattung) hat ein Halbrund aus Spiegeln aufgebaut, darin mit etwas Abstand zueinander weitere Spiegelwände, die zunächst mit weißen Tüchern verhangen sind. Gut durchdacht, die Bühne als Innenwelt der Hauptfigur Ich (Jana Alexia Rödiger) darzustellen.
… Jana Alexia Rödiger strahlt eine ruhige Wärme aus und zeigt als Ich große Bemühungen, die Lebenslagen anderer zu verstehen. Auch Stephanie Brenner weiß es mit ihrer einnehmenden, bisweilen exaltierten Art als Meine Freundin die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen.
… Verschiedene Erzählebenen verschwimmen miteinander – die Darstellerinnen schlüpfen gekonnt in unterschiedliche Rollen.
…Das Hineinversetzen in die Situation Anderer wird so mehr und mehr zum Mittel der Selbsterkenntnis. Dramatisch wird dieser Effekt durch die Enthüllung weiterer Spiegel auf der Bühne verstärkt.
Franziska Spanner, Seemoz, 14.5.2019